Hidiho meine Lieben,
ich bin euer King Sirus und heute widmen wir uns einem
der größten Suchtspiele der Computerspielhistorie: Pokémon!
Mit „Pokémon X“ und „Pokémon Y“ befinden wir uns schon in
der 6. Generation der digitalen Taschenmonster. Zwar treten alle – gerade auf
YouTube – GTA V breit und scheinbar spielt alle Welt nur noch dieses Game, doch
versteckt entdeckt man momentan genauso häufig die Leute sich durch die acht
Arenen prügeln.
Ich persönlich war zum ersten Mal seit zwei Generationen (heißt
nicht, dass die Gens schlecht waren, aber ich war vorab einfach nicht so heiß
drauf) wieder in ein richtiges Pokémon-Vorfreudefieber verfallen. Bereits nach
den ersten Trailern konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und zog mir jeden Infofetzen
rein den ich auftreiben konnte.
Viele Leute loben das Spiel ja auch in höchsten Tönen und
die Begeisterung ist hoch. Ich glaube das liegt fast komplett daran, dass man
nach so vielen Jahren die Taschenmonster endlich in geiler Grafik präsentiert
bekommt und davon so geblendet wird, dass man die negativen Aspekte nicht mehr
sieht oder dank Blendung kaum noch erkennt. Ich persönlich fühle mich wie
Ikarus. Ich flog mit meiner Begeisterung vorab hoch und höher, bis mir die
Sonne die Flügel wegbrutzelte und ich abstürzte.
Tja, wo soll ich nur beginnen, denn meine Notizen für
dieses Spiel sind doch umfangreich und lang geworden, während ich es gezockt…
nein… GESUCHTET habe.
Gut, beginne ich bei dem, worum es im Spiel letztendlich
hauptsächlich geht – die Reise. Während es anfangs noch so wirkte, als wäre das
Spiel unglaublich gut angepasst worden an die spielerische Entwicklung, kippt
das Ganze aber sobald man den 3. Orden bekommen hat. Danach – gerade in
Kombination mit der neuen Version des EP-Teilers, der EP fürs Fangen und dem
viel zu großzügigen neuen EP-System – muss man sich ja fast schon anstrengen,
um noch besiegt zu werden. Ich hab im Gegensatz zu früheren Generationen meine
Pokémon vor Arenaleitern nicht mehr trainiert und jeden auf Anhieb geschafft
(gut, die einzige wirkliche Herausforderung war Citros Emolga, da mein Team
Typtechnisch hier keinen Vorteil hatte und sogar fast nur Nachteile gegen
dieses Viech!).
Grundsätzlich habe ich sogar generell auf jegliches
Zusatztraining verzichtet und nur die Trainer auf den Straßen bekämpft, nur die
wilden Pokémon bekämpft die von sich aus erschienen während ich stets den
kürzesten Weg wählte und fast nie welche gezielt suchte und zwischendurch
einige Gefangen habe, statt sie zu besiegen. Trotz allem war das
Durchschnittslevel meines Teams bei der Top Vier in etwa 71… fast 10 Level
höher als deren Pokémon!!!
Das Spiel wird extrem einfach und gerade wenn man die
Typen-Tabelle halbwegs im Kopf hat, stampft man jeden Gegner ein. Die Ironie
ist, dass die Arenaleiter und Top Vier selbst ein so hohes Levelniveau wie in
keinem Teil zuvor haben. Bis heute verstehe ich auch nicht, warum die Top Vier
seit Generation V nur noch 4 Pokémon im Team haben, das schraubt den
Schwierigkeitsgrad noch zusätzlich runter. Ganz zu schweigen von der
Freiwählbarkeit der Reihenfolge…
Ja, wir wollen halt ja nur Casualgamer, schwere Spiele
würden sie ja abschrecken und bla, bla, bla…
Also ehrlich, vier Generationen lang ist trotz höherem
Schwierigkeitsgrad die Fanbase gewachsen und jetzt plötzlich soll es anders
sein? Zumindest ist das Casualgamer-Totschlagargument das Einzige, was für mich
den schwindenden Schwierigkeitsgrad erklärt.
Dann kommt noch das Chaos im Beutel dazu. Irre ich mich
oder wird die Taschenanzahl immer mehr reduziert, so dass wieder altbekannte
Unordnung einen nervt wenn man grad wieder irgendwelche Gegenstände zum Tragen
raussuchen will oder dergleichen? Warum ist die Übersichtlichkeit des blöden
Beutels seit 6 (das sind 15 Jahre auf dem deutschen Spielemarkt!!!)
Generationen noch immer ein Ding des Unmöglichen? Herr Gott noch eins, das muss
doch eigentlich den Leuten von Game Freak langsam mal klar sein, oder?
Den besten Beutel hatte ja noch die 4. Gen mit ihren
vielen Taschen, wo man alles übersichtlich unterbringen konnte. Den wünsche ich
mir zurück, jawohl!
Und das ist auch mal eine Sache, die allgemeinhin
angesprochen werden muss:
Warum werden so viele geile Ideen alter Generationen
nicht beibehalten und ausgebessert? Warum wird wegrationalisiert, ins Negative
verändert oder dafür teilweise echt unsinniger Kram reingepackt?
Ich möchte das selbstgestaltbare Einkaufszentrum aus
S2/W2 zurück! Ich möchte die übersichtlichere Variante des Itemradars aus der
4. Gen zurück! Ich möchte den coolen Untergrund zurück! Ich möchte die
Getränkeautomaten zurück, damit ich überall fix die abgestuften Heilungen
beschaffen kann! Ich möchte wieder die Möglichkeit meinen Rivalen zu benennen
zurück! Die Safari Zone, die Medallionerfolge, Jahreszeiten, Habitatsliste,
Villa / Geheimbasis, Pokétch mit den vielen Funktionen und Dreier-/Reihumkämpfe
zurück! Wenn schon PokéMonAmi, warum folgt einem das erste Pokémon nicht
wieder?
So viele tolle Ideen, die für Game Freak wohl nur
Eintagsfliegen waren… sehr, sehr schade!
Dabei beweisen sie doch – gerade in der neuen Generation –,
dass sie kritische Punkte wirklich verbessern können. So ist die Nutzung der
Items durch das Einblenden des aktuellen Teams durchaus praktischbezogen
optimiert worden. Oder die Auffrischung der Pokémonrufe. Allein wenn man sich
den alten Safconruf anhört, ist die Aktualisierung eine akustische Wohltat.
Also warum versucht man das Spiel nicht stets zu
verbessern, statt gute Sachen über Bord zu werfen und dafür neue, nicht funktionierenden
Kram reinzustopfen. So funktioniert die Gesichtserkennung meinem Empfinden nach
völlig ungenau. Zumindest kann mir keiner sagen, dass es problemlos läuft wenn
ich meine Augen aufreiße, mein Pokémon sie aber trotzdem zusammenkneift.
Oder warum werden die Attacken nicht endlich von vier auf
sechs hochgestockt, damit hätte man wirklich mal eine Revolution im
Spielelement die den taktischen Aspekt der Pokémonkämpfe deutlich beeinflussen
würden. Mehr als es der neue Typ (sorry, aber
den Namen „Fee“ find ich doof gewählt) oder die teilweise doch zu
starken Mega-Evolutionen (wer hindert mich daran nicht einfach sechs
Mega-Pokémon mit mir rumzuschleppen und sie zu Kampfbeginn sich direkt verwandeln zu lassen?).
Generell habe ich das Gefühl, dass die Entwickler keinen
Mut haben revolutionäre, große Schritte in den wichtigen Punkten anzugehen,
stattdessen viele kleinen – ästhetische – Veränderungen in den Vordergrund der
neuen Editionen stellten. Die Welt ist wunderschön gestaltet, mit einem tollen
Sound ausgestattet, die Kameraführung in der „3D-Welt“ gut gewählt und witzigen
Kleinigkeiten ausgestattet. So beugen wir uns zu Kindern und Pokémon runter,
können uns auf Bänke setzen und skaten samt kleinem Trickrepertoire durch die
Gegend.
Die neue Grafik macht zudem die Kämpfe viel lebhafter,
ansprechender und im Grunde auch actiongeladener. Man ist voller Elan, wenn die
Pokémon ihre Attacken sich um die Ohren hauen und teilweise sogar individuelle Bewegungsabläufe
in ihren Animationen aufweisen. Ich weiß noch, wie ich von Nitroladung geflasht
war und einfach mit offenem Mund vor meinem 3DS saß. Ich dachte das könnte man
nicht toppen und dann habe ich die die 3D Funktionen in den Kämpfen angestellt,
da schlug meine Kinnlade auf dem Fußboden auf.
So schlagen wir ein Rad zu dem was ich anfangs ansprach
und so bin auch ich irgendwie von der Grafik geblendet. Denn die Grafik allein
macht so unglaublich viel Freude, dass alles andere zur Nebensache wird.
Dazu das aufgebesserte Aussehen. Bei einigen war es
befremdlich (ein wirklich plattes Flunschlik zu sehen, war schon seltsam), aber
bei den meisten haben meine Augen in mangamanier wie Scheinwerfer geleuchtet.
Dazu bekommt man auch noch zwei Starter aufs Auge gedrückt. Hätten sie noch die
Reise in alte Regionen mal wieder reingepackt – was ebenfalls längst wieder
überfällig ist – wäre ich zum kleinen Fanboy mutiert.
Vermutlich mag es seltsam anmuten, dass ich so viel
kritisiere und im gleichen Atemzug von dem Spiel so schwärme. Aber diesen Punkt
habe ich ja bereits mehrfach angesprochen. Denn das muss man der neuen
Generation jedenfalls lassen. Einige sagen ja, dass das Spiel sich nicht neu
erfindet, aber das stimmt eben nicht. Die Auswirkung der neuen Grafik ist so
unglaublich stark, dass es einem das Gefühl wieder gibt, welches man damals in
den ersten beiden Generationen hatte. Es gibt einem das Gefühl wieder, welches
ich für meinen Teil seit einiger Zeit schon verloren glaubte. Es gibt einem
dieses Gefühl wieder, dass sich nicht beschreiben lässt, aber jeder kennt wenn
er verträumt an die Anfänge zurückdenkt. Es ist das Gefühl, als würde man
Pokémon zum ersten Mal entdecken.
Und so merkt man, dass eine große Veränderung die vielen
kleinen positiven und negativen Dinge insgesamt in den Schatten stellen kann.
Die Grafik rettet meiner Meinung nach das Spiel komplett, welches ich eher
sonst als extremen Flopp betrachtet hätte. Denn in der Reise floppte das Spiel
und auch in der Anzahl der neuen Pokémon.
Im Forum der Fanpage Bisafans wurde zu diesem Thema ein
Vote durchgeführt und ich war überrascht davon, dass tatsächlich 36% die Anzahl
von knapp 70 neuen Taschenmonstern durch die gute Kombination mit vielen alten
Vertretern akzeptabel fanden (Verlinkungen sind eingebettet, wenn jemand direkt
dort reinschauen möchte ;D).
Vielleicht stehe ich also mit meiner Denkweise auf
verlorenem Posten, aber ich finde das einfach zu wenig. Denn wenn man die
Anzahl mal unabhängig von den Entwicklungsstufen heraus betrachtet sind es nur
noch 31 neue Pokémon + 3 neue Legendäre + 1 neue Evoliform (im Durchschnitt
gibt es also nur zweistufige Pokémon).
Wenn wir dann eh schon dabei sind, kann man auch gleich
noch den Mangel an Legendären ankreiden und damit an Legenden selbst. Ja, nicht
einmal wenigstens ein Trio, dem man hinterherjagen muss. In den ersten vier
Generationen hatte die nachfolgende Gen mehr Legendäre als die Vorherige. Und
irgendwann kann natürlich die Zahl nicht mehr ansteigen, aber immerhin konstant
bleiben. Was mit den Legendären wegfällt, sind auch die Sagen rund um diese
herum. Das merkt man Kalos an, so wird Xerneas nie erwähnt und Yveltal
lediglich als pure Zerstörung dargestellt. Dabei sind es die Sagen um diese
Pokémon, die die Regionen ja auch mit Kultur und Substanz versehen. So groß
Kalos auch sein mag, so wenig geschichtlichen Tiefgang hat es vorzuweisen. Und
Geschichte ist schon wieder der nächste Knackpunkt.
Hatte die Generation davor mit N und G-Cis noch
herausragende Figuren und eine unglaublich tiefe Story mit ungewohnter
Ernsthaftigkeit zu bieten, ist Team Flare so flach wie oberflächlich. Gott, es
war auch mit Abstand das kürzeste Intermezzo mit einem Schurkenteam. Gefühlt
jedenfalls. Dabei ist die Idee mit dem Schönheitswahn, die Reduzierung auf
Äußerlichkeiten und die Definition von Schönheit durchaus eine
gesellschaftskritische und damit mit Potential behaftete Idee. Selbst die
anderen Handlungsstränge hatten Potential, wurden aber auch zu wenig ausgebaut.
So kann man die Story der fünf Freunde bei der Erforschung der Megaentwicklung
und dem Verfolgen ihrer persönlichen Ziele kitschig nennen, ich jedoch sah sie
als etwas erfrischend anderes. Hätte man das Ganze dann doch lieber intensiver
gestaltet. Nicht zu vergessen wäre die einzige Sage, die einem ja permanent
aufs Auge gedrückt wird: Die Legende von dem König mit seinem unsterblichen
Floette.
Auch dieser hätte man mehr Aufmerksamkeit widmen können.
Von mir aus die Bösen rausstreichen und mehr aus den anderen beiden Handlungen
machen.
Negativ fällt mir vor allem Nintendos Politik mit der
Fanbase auf. Ich finde es schrecklich, dass spielerische Elemente so gemacht
werden, dass ich in Zukunft nicht mehr die Möglichkeit habe das gesamte Angebot
des Spieles nutzen zu können. Was besonders ärgerlich ist, wenn man es direkt
anfangs zum vollen Originalpreis kauft und in fünf Jahren aber einen Großteil
des Angebots nicht mehr nutzen kann. Ich beziehe mich hier vor allem auf die fünfte
Generation, wo ohne Dream World beispielsweise es nicht mehr möglich sein wird
Beeren zu pflanzen da die Funktion ja eingestellt wird (sollte ich dies
missverstanden haben, bitte ich um Korrektur, dann nehme ich diesen Punkt aus
der Kritik).
Aber auch der scheinbare Versuch zusätzliche Einnahmequellen
zu generieren ist etwas was mir negativ auffällt. So habe ich das Gefühl, dass
unter dem Gewand man wolle die generationsübergreifende Verbindung zu den
Pokémon in Zukunft besser ermöglichen, einfach nur eine neue Geldquelle
generiert wird. Wo ich früher ohne Kostenaufwand von einer Gen zur nächsten
meine Pokémon übertragen konnte, soll ich das in Zukunft nur noch mit der Bank
machen können – wodurch ein indirekter Zwang ausgeübt wird.
Ich höre jetzt schon die kritischen Stimmen: „3,- € für ein
Jahr ist doch wirklich nicht viel, also was meckerst du?!“
Jap, ist nicht viel. ABER! Zeigt mir bitte eine 3,- €
Guthabenkarte für den 3DS eShop. Und das Geld das ich mehr zahle kann ich eben
nur für den 3DS benutzen, denn bisher sind die eShop-Konten der verschiedenen
Gerätschaften ja nicht untereinander kompatibel. Also wer weiß wie das in
Zukunft gehandhabt wird. Muss ich dann 3,- € pro Handheld Konto bezahlen um unter
den Editionen Pokémon transferieren zu können?
Außerdem hat „Pokémon X“ und „Pokémon Y“ eine Absatz von
4 Millionen verkauften Einheiten. Wenn selbst nur ein Achtel davon Pokémon Bank
nutzen und wir von einem Jahresbeitrag von etwa 3,- bis 4,- € ausgehen (für die
Rechnung nehme ich die Mitte, also 3,50 €), wären dies:
500.000 x 3,50 € = 1.750.000 €
Fast zwei Millionen Euro. Nun weiß ich natürlich nicht,
wie hoch die Serverkosten, Wartung und Personal ausfallen würden, aber Nintendo
/ Game Freak würden dies sicher nicht anbieten wenn sie ein Miesegeschäft damit
machen würden. Da bleibt vermutlich auch etwas übrig, was als Gewinn in die
Betriebskasse einfließt. Aus einem kostenlosen Angebot wird einfach ein
Geschäft gemacht.
Hinzu kommt: Was wenn nicht
mehr genug Leute den Dienst nutzen um eben die Kosten abzudecken? Vermutlich
würden die Server abgeschaltet und damit eine weitere Funktion fehlen, die das
Spiel überhaupt erst spielenswert machen. Ich sehe das alles also deutlich
kritischer, als vermutlich ein Großteil der 4 Millionen Spielekäufer…!
Na gut, aber ich entferne mich vom Kern dieses Beitrags
und habe ohnehin viel zu viel geschrieben. Meine anderen Beiträge die ich
aktuell so vorbereite sind da deutlich kürzer :D
Letztendlich ist nur wichtig wenn man Spaß am Spiel hat
und sich trotz aller Umstände daran erfreuen kann. Wenn ich ein Fazit unter
diesen Beitrag schreiben müsste, würde er wohl so lauten: „Durch die Grafik
rettet das Spiel viel und bleibt stärker im Gedächtnis haften und hatte einen
größeren Vorabhype, als es beispielsweise mit der fünften Generation der Fall
war. Was schade ist, denn diese ist als Gesamtpaket stärker als X und Y.“
Also habt ‘nen schönen Tag und cheerio!
Euer King Sirus
PS: Liebe Übersetzer, der korrekte Begriff im
Kampfschloss für einen „weiblichen Baron“ ist nicht Baronin, sondern Baronesse
;P
PPS: Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an Robert von Bisafans, der
mir erlaubte das Voting in meinen Post einbinden zu dürfen.
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