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Dienstag, 29. Oktober 2013

Gotta catch 'em all – in Kalos

Hidiho meine Lieben,

ich bin euer King Sirus und heute widmen wir uns einem der größten Suchtspiele der Computerspielhistorie: Pokémon!

Mit „Pokémon X“ und „Pokémon Y“ befinden wir uns schon in der 6. Generation der digitalen Taschenmonster. Zwar treten alle – gerade auf YouTube – GTA V breit und scheinbar spielt alle Welt nur noch dieses Game, doch versteckt entdeckt man momentan genauso häufig die Leute sich durch die acht Arenen prügeln.

Ich persönlich war zum ersten Mal seit zwei Generationen (heißt nicht, dass die Gens schlecht waren, aber ich war vorab einfach nicht so heiß drauf) wieder in ein richtiges Pokémon-Vorfreudefieber verfallen. Bereits nach den ersten Trailern konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und zog mir jeden Infofetzen rein den ich auftreiben konnte.

Viele Leute loben das Spiel ja auch in höchsten Tönen und die Begeisterung ist hoch. Ich glaube das liegt fast komplett daran, dass man nach so vielen Jahren die Taschenmonster endlich in geiler Grafik präsentiert bekommt und davon so geblendet wird, dass man die negativen Aspekte nicht mehr sieht oder dank Blendung kaum noch erkennt. Ich persönlich fühle mich wie Ikarus. Ich flog mit meiner Begeisterung vorab hoch und höher, bis mir die Sonne die Flügel wegbrutzelte und ich abstürzte.

Tja, wo soll ich nur beginnen, denn meine Notizen für dieses Spiel sind doch umfangreich und lang geworden, während ich es gezockt… nein… GESUCHTET habe.

Gut, beginne ich bei dem, worum es im Spiel letztendlich hauptsächlich geht – die Reise. Während es anfangs noch so wirkte, als wäre das Spiel unglaublich gut angepasst worden an die spielerische Entwicklung, kippt das Ganze aber sobald man den 3. Orden bekommen hat. Danach – gerade in Kombination mit der neuen Version des EP-Teilers, der EP fürs Fangen und dem viel zu großzügigen neuen EP-System – muss man sich ja fast schon anstrengen, um noch besiegt zu werden. Ich hab im Gegensatz zu früheren Generationen meine Pokémon vor Arenaleitern nicht mehr trainiert und jeden auf Anhieb geschafft (gut, die einzige wirkliche Herausforderung war Citros Emolga, da mein Team Typtechnisch hier keinen Vorteil hatte und sogar fast nur Nachteile gegen dieses Viech!).

Grundsätzlich habe ich sogar generell auf jegliches Zusatztraining verzichtet und nur die Trainer auf den Straßen bekämpft, nur die wilden Pokémon bekämpft die von sich aus erschienen während ich stets den kürzesten Weg wählte und fast nie welche gezielt suchte und zwischendurch einige Gefangen habe, statt sie zu besiegen. Trotz allem war das Durchschnittslevel meines Teams bei der Top Vier in etwa 71… fast 10 Level höher als deren Pokémon!!!

Das Spiel wird extrem einfach und gerade wenn man die Typen-Tabelle halbwegs im Kopf hat, stampft man jeden Gegner ein. Die Ironie ist, dass die Arenaleiter und Top Vier selbst ein so hohes Levelniveau wie in keinem Teil zuvor haben. Bis heute verstehe ich auch nicht, warum die Top Vier seit Generation V nur noch 4 Pokémon im Team haben, das schraubt den Schwierigkeitsgrad noch zusätzlich runter. Ganz zu schweigen von der Freiwählbarkeit der Reihenfolge…
Ja, wir wollen halt ja nur Casualgamer, schwere Spiele würden sie ja abschrecken und bla, bla, bla…

Also ehrlich, vier Generationen lang ist trotz höherem Schwierigkeitsgrad die Fanbase gewachsen und jetzt plötzlich soll es anders sein? Zumindest ist das Casualgamer-Totschlagargument das Einzige, was für mich den schwindenden Schwierigkeitsgrad erklärt.

Dann kommt noch das Chaos im Beutel dazu. Irre ich mich oder wird die Taschenanzahl immer mehr reduziert, so dass wieder altbekannte Unordnung einen nervt wenn man grad wieder irgendwelche Gegenstände zum Tragen raussuchen will oder dergleichen? Warum ist die Übersichtlichkeit des blöden Beutels seit 6 (das sind 15 Jahre auf dem deutschen Spielemarkt!!!) Generationen noch immer ein Ding des Unmöglichen? Herr Gott noch eins, das muss doch eigentlich den Leuten von Game Freak langsam mal klar sein, oder?
Den besten Beutel hatte ja noch die 4. Gen mit ihren vielen Taschen, wo man alles übersichtlich unterbringen konnte. Den wünsche ich mir zurück, jawohl!

Und das ist auch mal eine Sache, die allgemeinhin angesprochen werden muss:
Warum werden so viele geile Ideen alter Generationen nicht beibehalten und ausgebessert? Warum wird wegrationalisiert, ins Negative verändert oder dafür teilweise echt unsinniger Kram reingepackt?
Ich möchte das selbstgestaltbare Einkaufszentrum aus S2/W2 zurück! Ich möchte die übersichtlichere Variante des Itemradars aus der 4. Gen zurück! Ich möchte den coolen Untergrund zurück! Ich möchte die Getränkeautomaten zurück, damit ich überall fix die abgestuften Heilungen beschaffen kann! Ich möchte wieder die Möglichkeit meinen Rivalen zu benennen zurück! Die Safari Zone, die Medallionerfolge, Jahreszeiten, Habitatsliste, Villa / Geheimbasis, Pokétch mit den vielen Funktionen und Dreier-/Reihumkämpfe zurück! Wenn schon PokéMonAmi, warum folgt einem das erste Pokémon nicht wieder?
So viele tolle Ideen, die für Game Freak wohl nur Eintagsfliegen waren… sehr, sehr schade!

Dabei beweisen sie doch – gerade in der neuen Generation –, dass sie kritische Punkte wirklich verbessern können. So ist die Nutzung der Items durch das Einblenden des aktuellen Teams durchaus praktischbezogen optimiert worden. Oder die Auffrischung der Pokémonrufe. Allein wenn man sich den alten Safconruf anhört, ist die Aktualisierung eine akustische Wohltat.

Also warum versucht man das Spiel nicht stets zu verbessern, statt gute Sachen über Bord zu werfen und dafür neue, nicht funktionierenden Kram reinzustopfen. So funktioniert die Gesichtserkennung meinem Empfinden nach völlig ungenau. Zumindest kann mir keiner sagen, dass es problemlos läuft wenn ich meine Augen aufreiße, mein Pokémon sie aber trotzdem zusammenkneift.

Oder warum werden die Attacken nicht endlich von vier auf sechs hochgestockt, damit hätte man wirklich mal eine Revolution im Spielelement die den taktischen Aspekt der Pokémonkämpfe deutlich beeinflussen würden. Mehr als es der neue Typ (sorry, aber  den Namen „Fee“ find ich doof gewählt) oder die teilweise doch zu starken Mega-Evolutionen (wer hindert mich daran nicht einfach sechs Mega-Pokémon mit mir rumzuschleppen und sie zu Kampfbeginn sich direkt verwandeln zu lassen?).

Generell habe ich das Gefühl, dass die Entwickler keinen Mut haben revolutionäre, große Schritte in den wichtigen Punkten anzugehen, stattdessen viele kleinen – ästhetische – Veränderungen in den Vordergrund der neuen Editionen stellten. Die Welt ist wunderschön gestaltet, mit einem tollen Sound ausgestattet, die Kameraführung in der „3D-Welt“ gut gewählt und witzigen Kleinigkeiten ausgestattet. So beugen wir uns zu Kindern und Pokémon runter, können uns auf Bänke setzen und skaten samt kleinem Trickrepertoire durch die Gegend.

Die neue Grafik macht zudem die Kämpfe viel lebhafter, ansprechender und im Grunde auch actiongeladener. Man ist voller Elan, wenn die Pokémon ihre Attacken sich um die Ohren hauen und teilweise sogar individuelle Bewegungsabläufe in ihren Animationen aufweisen. Ich weiß noch, wie ich von Nitroladung geflasht war und einfach mit offenem Mund vor meinem 3DS saß. Ich dachte das könnte man nicht toppen und dann habe ich die die 3D Funktionen in den Kämpfen angestellt, da schlug meine Kinnlade auf dem Fußboden auf.
So schlagen wir ein Rad zu dem was ich anfangs ansprach und so bin auch ich irgendwie von der Grafik geblendet. Denn die Grafik allein macht so unglaublich viel Freude, dass alles andere zur Nebensache wird.

Dazu das aufgebesserte Aussehen. Bei einigen war es befremdlich (ein wirklich plattes Flunschlik zu sehen, war schon seltsam), aber bei den meisten haben meine Augen in mangamanier wie Scheinwerfer geleuchtet. Dazu bekommt man auch noch zwei Starter aufs Auge gedrückt. Hätten sie noch die Reise in alte Regionen mal wieder reingepackt – was ebenfalls längst wieder überfällig ist – wäre ich zum kleinen Fanboy mutiert.

Vermutlich mag es seltsam anmuten, dass ich so viel kritisiere und im gleichen Atemzug von dem Spiel so schwärme. Aber diesen Punkt habe ich ja bereits mehrfach angesprochen. Denn das muss man der neuen Generation jedenfalls lassen. Einige sagen ja, dass das Spiel sich nicht neu erfindet, aber das stimmt eben nicht. Die Auswirkung der neuen Grafik ist so unglaublich stark, dass es einem das Gefühl wieder gibt, welches man damals in den ersten beiden Generationen hatte. Es gibt einem das Gefühl wieder, welches ich für meinen Teil seit einiger Zeit schon verloren glaubte. Es gibt einem dieses Gefühl wieder, dass sich nicht beschreiben lässt, aber jeder kennt wenn er verträumt an die Anfänge zurückdenkt. Es ist das Gefühl, als würde man Pokémon zum ersten Mal entdecken.

Und so merkt man, dass eine große Veränderung die vielen kleinen positiven und negativen Dinge insgesamt in den Schatten stellen kann. Die Grafik rettet meiner Meinung nach das Spiel komplett, welches ich eher sonst als extremen Flopp betrachtet hätte. Denn in der Reise floppte das Spiel und auch in der Anzahl der neuen Pokémon.

Im Forum der Fanpage Bisafans wurde zu diesem Thema ein Vote durchgeführt und ich war überrascht davon, dass tatsächlich 36% die Anzahl von knapp 70 neuen Taschenmonstern durch die gute Kombination mit vielen alten Vertretern akzeptabel fanden (Verlinkungen sind eingebettet, wenn jemand direkt dort reinschauen möchte ;D).

Vielleicht stehe ich also mit meiner Denkweise auf verlorenem Posten, aber ich finde das einfach zu wenig. Denn wenn man die Anzahl mal unabhängig von den Entwicklungsstufen heraus betrachtet sind es nur noch 31 neue Pokémon + 3 neue Legendäre + 1 neue Evoliform (im Durchschnitt gibt es also nur zweistufige Pokémon).

Wenn wir dann eh schon dabei sind, kann man auch gleich noch den Mangel an Legendären ankreiden und damit an Legenden selbst. Ja, nicht einmal wenigstens ein Trio, dem man hinterherjagen muss. In den ersten vier Generationen hatte die nachfolgende Gen mehr Legendäre als die Vorherige. Und irgendwann kann natürlich die Zahl nicht mehr ansteigen, aber immerhin konstant bleiben. Was mit den Legendären wegfällt, sind auch die Sagen rund um diese herum. Das merkt man Kalos an, so wird Xerneas nie erwähnt und Yveltal lediglich als pure Zerstörung dargestellt. Dabei sind es die Sagen um diese Pokémon, die die Regionen ja auch mit Kultur und Substanz versehen. So groß Kalos auch sein mag, so wenig geschichtlichen Tiefgang hat es vorzuweisen. Und Geschichte ist schon wieder der nächste Knackpunkt.

Hatte die Generation davor mit N und G-Cis noch herausragende Figuren und eine unglaublich tiefe Story mit ungewohnter Ernsthaftigkeit zu bieten, ist Team Flare so flach wie oberflächlich. Gott, es war auch mit Abstand das kürzeste Intermezzo mit einem Schurkenteam. Gefühlt jedenfalls. Dabei ist die Idee mit dem Schönheitswahn, die Reduzierung auf Äußerlichkeiten und die Definition von Schönheit durchaus eine gesellschaftskritische und damit mit Potential behaftete Idee. Selbst die anderen Handlungsstränge hatten Potential, wurden aber auch zu wenig ausgebaut. So kann man die Story der fünf Freunde bei der Erforschung der Megaentwicklung und dem Verfolgen ihrer persönlichen Ziele kitschig nennen, ich jedoch sah sie als etwas erfrischend anderes. Hätte man das Ganze dann doch lieber intensiver gestaltet. Nicht zu vergessen wäre die einzige Sage, die einem ja permanent aufs Auge gedrückt wird: Die Legende von dem König mit seinem unsterblichen Floette.
Auch dieser hätte man mehr Aufmerksamkeit widmen können. Von mir aus die Bösen rausstreichen und mehr aus den anderen beiden Handlungen machen.

Negativ fällt mir vor allem Nintendos Politik mit der Fanbase auf. Ich finde es schrecklich, dass spielerische Elemente so gemacht werden, dass ich in Zukunft nicht mehr die Möglichkeit habe das gesamte Angebot des Spieles nutzen zu können. Was besonders ärgerlich ist, wenn man es direkt anfangs zum vollen Originalpreis kauft und in fünf Jahren aber einen Großteil des Angebots nicht mehr nutzen kann. Ich beziehe mich hier vor allem auf die fünfte Generation, wo ohne Dream World beispielsweise es nicht mehr möglich sein wird Beeren zu pflanzen da die Funktion ja eingestellt wird (sollte ich dies missverstanden haben, bitte ich um Korrektur, dann nehme ich diesen Punkt aus der Kritik).

Aber auch der scheinbare Versuch zusätzliche Einnahmequellen zu generieren ist etwas was mir negativ auffällt. So habe ich das Gefühl, dass unter dem Gewand man wolle die generationsübergreifende Verbindung zu den Pokémon in Zukunft besser ermöglichen, einfach nur eine neue Geldquelle generiert wird. Wo ich früher ohne Kostenaufwand von einer Gen zur nächsten meine Pokémon übertragen konnte, soll ich das in Zukunft nur noch mit der Bank machen können – wodurch ein indirekter Zwang ausgeübt wird.
Ich höre jetzt schon die kritischen Stimmen: „3,- € für ein Jahr ist doch wirklich nicht viel, also was meckerst du?!“

Jap, ist nicht viel. ABER! Zeigt mir bitte eine 3,- € Guthabenkarte für den 3DS eShop. Und das Geld das ich mehr zahle kann ich eben nur für den 3DS benutzen, denn bisher sind die eShop-Konten der verschiedenen Gerätschaften ja nicht untereinander kompatibel. Also wer weiß wie das in Zukunft gehandhabt wird. Muss ich dann 3,- € pro Handheld Konto bezahlen um unter den Editionen Pokémon transferieren zu können?

Außerdem hat „Pokémon X“ und „Pokémon Y“ eine Absatz von 4 Millionen verkauften Einheiten. Wenn selbst nur ein Achtel davon Pokémon Bank nutzen und wir von einem Jahresbeitrag von etwa 3,- bis 4,- € ausgehen (für die Rechnung nehme ich die Mitte, also 3,50 €), wären dies:
500.000 x 3,50 € = 1.750.000 €
Fast zwei Millionen Euro. Nun weiß ich natürlich nicht, wie hoch die Serverkosten, Wartung und Personal ausfallen würden, aber Nintendo / Game Freak würden dies sicher nicht anbieten wenn sie ein Miesegeschäft damit machen würden. Da bleibt vermutlich auch etwas übrig, was als Gewinn in die Betriebskasse einfließt. Aus einem kostenlosen Angebot wird einfach ein Geschäft gemacht.

Hinzu kommt: Was wenn nicht mehr genug Leute den Dienst nutzen um eben die Kosten abzudecken? Vermutlich würden die Server abgeschaltet und damit eine weitere Funktion fehlen, die das Spiel überhaupt erst spielenswert machen. Ich sehe das alles also deutlich kritischer, als vermutlich ein Großteil der 4 Millionen Spielekäufer…!

Na gut, aber ich entferne mich vom Kern dieses Beitrags und habe ohnehin viel zu viel geschrieben. Meine anderen Beiträge die ich aktuell so vorbereite sind da deutlich kürzer :D
Letztendlich ist nur wichtig wenn man Spaß am Spiel hat und sich trotz aller Umstände daran erfreuen kann. Wenn ich ein Fazit unter diesen Beitrag schreiben müsste, würde er wohl so lauten: „Durch die Grafik rettet das Spiel viel und bleibt stärker im Gedächtnis haften und hatte einen größeren Vorabhype, als es beispielsweise mit der fünften Generation der Fall war. Was schade ist, denn diese ist als Gesamtpaket stärker als X und Y.“

Also habt ‘nen schönen Tag und cheerio!
Euer King Sirus


PS: Liebe Übersetzer, der korrekte Begriff im Kampfschloss für einen „weiblichen Baron“ ist nicht Baronin, sondern Baronesse ;P


PPS: Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an Robert von Bisafans, der mir erlaubte das Voting in meinen Post einbinden zu dürfen.

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