Und wieder frage ich mich,
warum die Welt so aus den Fugen geraten ist?
Warum es so viel Leid und
Kummer geben muss, wo wir doch die Möglichkeit haben allen Menschen ein
besseres Leben zu ermöglichen?
Dabei muss man nicht einmal an
die großen Dinge denken, wie etwa der weltweite Hunger. Nein, es reicht ja
eigentlich schon im Kleinen anzufangen. Zum Beispiel jemanden essen geben, der
hungrig auf der Straße sitzt und darum bittet.
Und ich denke an Nächte, die
ich durchgemacht habe mit diesen Gedanken. Nächte in denen ich haufenweise
Videos schaute, wo Menschen hilfsbereit waren. Selbstlos, herzerwärmend und
nächstenliebend. Dinge die heutzutage nicht mehr selbstverständlich sind.
Oftmals habe ich nach so einer
Nacht mich ins Bett gelegt (ja, bisschen Restschlaf war doch von Nöten) und
fühlte mich schuldig.
Schuldig dafür, dass ich so
oft die Obdachlosen sah und ignorierte. Dass ich Leute anlog, wenn sie mich am
Bahnsteig um 50 Pfennig oder auch Cent baten, um sich ein Ticket kaufen zu
können. Dass ich in einer dieser abgeschirmten Kabinen auf meinen Zug wartete,
drei Plätze neben mir ein Obdachloser mit seinem Hund saß und ich nicht den Mut
besaß ein paar Euro zu investieren, um ihm oder wenigstem seinen Haustier eine
Freude zu bereiten.
Ja, ich hatte tatsächlich
nicht den Mut. Ich war in meinem Handeln eingeschränkt, weil damals sich mein
Denken in dem Moment zu sehr darum drehte, was man über mich vielleicht
schlechtes Denken würde, obwohl ich einem Fremden nur helfe. Beziehungsweise
etwas Gutes tue.
So denke ich daran, dass ich
die guten Dinge in meinem Leben genoss, ohne einen Gedanken zu verlieren an die
Menschen um mich herum, die von diesem Luxus träumten.
Wie oft habe ich über mein
Leben gejammert und geklagt? War in psychischen Tiefs, vielleicht sogar in
einer Vorform der Depression? Und das alles obwohl es mir doch eigentlich gut
geht. Ich bin gesund, habe ein Dach über dem Kopf, kann mir Essen und Trinken
leisten. Das ist teilweise mehr als bei den Leuten, denen es wirklich schlecht geht!
Ich lebe nicht in einem Land
wo die Straßen und Häuser zerstört sind, weil Krieg herrscht. Ich habe nicht
viel Geld zur Verfügung, aber genug um jeden Tag mich satt essen zu können. Ich
bin sogar mit ein wenig mehr Kilo als Nötig auf den Rippen gesegnet und muss
nicht jeden Tag überlegen ob ich den morgigen noch erlebe oder in der Nacht an meinem
Hunger sterbe. Ich bin glücklich genug, um nicht meinen Kummer in Alkohol zu
ertränken, weil er so schwer auf meinen Schultern lastet.
Jetzt gerade im Winter ist der
Punkt mit dem Dach über dem Kopf, dem Essen und dem schwer auf mir lastenden
Kummer nicht zu verachten. So habe ich tatsächlich Angst vor meinem schlechten
Gewissen, wenn die ersten Meldungen in den Nachrichten zu hören sind, von
Leuten die in der Kälte erfroren sind weil sie in Parkanlagen übernachten
mussten, da sie kein eigenes Heim mehr haben.
Warum ist es nur so schwer ein
besserer Mensch zu sein?
Wobei warum besser? Besser als
wer?
Es geht hier nicht um das
Messen, es geht hier um eine gute Tat.
Um das Richtige!
Es ist nicht schwer ein guter
Mensch zu sein. Man muss es einfach machen.
Einfach freundlich sein zu
Anderen. Ein Lächeln kann ein Herz erwärmen. Ein Euro tut dir nicht weh, macht
einen Fremden aber satt. Einfach mal aufstehen und machen. Es ist nicht nur
leicht zu sagen, sondern auch leicht zu tun.
Nur sich davor zu drücken ist
noch leichter…
Hier muss ich an meine
Freundin denken und an ein Erlebnis, als wir miteinander einmal durch die Stadt
liefen. Ich hatte wenige Tage zuvor noch mit ihr über eine solche Thematik
gesprochen.
Als sie nun an diesem besagten
Tag einen Mann sah, der auf der Straße saß und ein Schild in der Hand hielt,
auf dem eine Bitte um Essen formuliert war, trieb ihr schlechtes Gewissen die
Tränen in die Augen.
Spontan entschlossen wir uns
ihm eine warme Mahlzeit zu kaufen und zu schenken. Diesmal war es auch mir
endlich egal was die Anderen dachten. Warum sollten sie etwas Schlechtes denken?
Warum sollte man überhaupt etwas Schlechtes denken, wenn man sieht wie jemand
einfach mal nett ist!?
Ich hätte jedenfalls in dem
Moment nicht stolzer auf sie sein können. Gleichzeitig wurde mir wieder einmal klar,
wie einfach es doch sein kann ein guter Mensch zu sein.
An andere zu denken, denen es
nicht so gut geht, wie einem selbst.
Und es kostet mich nicht
einmal viel, also kann ich mich damit nicht rausreden. Bereits für einen Euro
kriege ich eine warme Speise, die ich jemand hungrigem schenken kann. Doch wir
verschließen lieber die Augen vor der Wahrheit, weil gerade diese Leute denen
es nicht so gut geht ein trauriger Spiegel unserer Gesellschaft sind, der uns beinahe
schon mit Gewalt vor Augen gehalten wird. Es ist ein Bild dafür, dass am Ende
doch jeder nur sich selbst der Nächste ist.
Obwohl ich die Bibel und die
Kirche immer kritisch beäuge, muss ich doch sagen wir sollten öfter an die
Gebote denken. Erst dann merkt man, wie wichtig die Aussage dort ist: „Du
sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
Vor kurzem habe ich ein
schönes Beispiel gesagt bekommen, warum es uns so leicht fällt uns aus der
Verantwortung herauszuwinden, die wir eigentlich diesen Menschen gegenüber
empfinden sollen. Sehen wir jemanden mit langen Haaren, schmutzigen Klamotten
und der vielleicht auch generell ein wenig ungewaschen wirkt, fällt es uns viel
schwerer Sympathie für so eine Person zu empfinden.
Kaum wirkt er gut gepflegt,
hat anständige Kleidung an und redet vielleicht auch in einem guten Umgangston,
wirkt dieselbe Person ganz anders auf uns ein. Er ist uns sympathisch und wir
sind offener ihm gegenüber eingestellt. Wir haben nicht mehr automatische
Vorteile ihm gegenüber. Denken uns nicht mehr, dass er sich doch eh nur Alkohol
von dem Geld kauft oder dergleichen.
Aber ich will mich nicht an
der Thematik der Obdachlosen festbeißen, denn das Richtige kann man auch
woanders tun. In einem vermutlich sogar noch wichtigerem Umfeld: In der Schule.
Oder um es doch ein wenig
wieder auszuweiten: Im Internet!
Ich rede hier von (Cyber-)Mobbing
/ (Cyber-)Bullying.
Man hat Angst sich anderen in
den Weg zu stellen. Vor allem wenn im Fernsehen wieder ein Bericht gezeigt
wird, dass jemand totgeprügelt wurde der sich schützend für einen Mitmenschen
einsetzte. Oder wenn man Berichte von „Happy Slapping“, „Knock-Out-Games“ oder Schlimmeren
hört.
Was nützt es mir, Auszeichnungen
für Zivilcourage zu erhalten, wenn ich dafür mit dem Leben bezahlt habe? Wenn
wir alle ein wenig mehr Mut zur Zivilcourage hätten, dann müsste es solche
Fälle nicht mehr geben. Wenn wir alle nur ein wenig mehr an Andere denken
würden und nicht nur uns selbst am Wichtigsten sind.
Dann wäre das Leben an der
Schule auch angenehmer, ist doch der Unterrichtsstoff schon Horror genug. Da
sollten es nicht auch noch die Mitschüler sein.
Und dann gebe es weniger Fälle
wie Amanda Todd,
die den Tod nicht verdient hat wegen einem Fehler den sie mal gemacht hat.
Gerade in einer Gruppe ist man
auch stärker, wenn wir also alle bereiter zur Zivilcourage wären, wären wir
genau diese starke Gruppe in der nicht der Einzelne um sein Leben fürchten
muss. Stattdessen wäre man eine Macht, die der Gewalt und Ungerechtigkeit
Einhalt gebieten könnte.
Angst…
Vorurteile…
Geiz…
Mangelnde Empathie…
Unser Denken wird von so
vielen negativen Aspekten bestimmt und es fällt schwer sich dagegen zu wehren,
um mal über den Tellerrand hinweg zu schauen. Dann würde man auch mal erkennen,
dass die Welt eine Kugel und keine Scheibe ist und Geben wirklich seliger ist
als Nehmen.
Hier kann ich nur wieder auf
das „Let’s Rutsch in Richtung 2013“ vom lieben Gronkh verweisen, wo er selbst
es anspricht. Wir haben das Schenken verlernt und wenn jemand Fremdes einfach
nur aus gutem Willen heraus etwas schenkt, sind wir direkt skeptisch und
wittern einen nicht vorhandenen Haken an der Geschichte, statt uns einfach
darüber zu freuen.
Langsam sollte ich zum Schluss kommen, weil ich schreibe
hier meine Gedanken runter, ohne zu wissen in welche Richtung ich letztendlich
will. Aber ich konnte auch nicht anders, als sie wenigstens teilweise mit euch
zu teilen.
Aber trotz der vielleicht leicht negativen oder
melancholischen Grundstimmung, möchte ich mich daher mit einem dennoch schönen
Gefühl von euch heute verabschieden. Und so möchte ich zudem nicht nur ein
schönes Weihnachten oder einen guten Rutsch euch wünschen.
Nein heute möchte ich euch wünschen:
Geht mit einem
guten Gefühl ins Bett!
Und damit dies vielleicht ein wenig leichter fällt hier ein
kleines Video, welches ich dank dem guten Herrn Gregor Onkh gefunden habe und
weiterteilen möchte.
Also habt einen wunderschönen
Tag, drücke euch die Daumen damit das kommende Jahr das Beste eures Lebens wird
und sage zum Schluss cheerio!
Euer King Sirus