Hidiho meine Lieben,
ich bin euer King Sirus und zum ersten Mal wandel ich als Assassine umher, um meinem persönlichen Rachefeldzug zu frönen! Nachdem ich fast schon spontan mir eine PlayStation 4 gekauft habe (aufgrund eines guten Angebots, wo man zur Konsole ein Spiel umsonst geschenkt bekam), war „Assassin’s Creed Unity“ mein erstes Spiel für die Konsole. Denn es war das eben erwähnte kostenlose Spiel, welches ich dazu bekam. In der Special Edition.
Ich hatte schon lange die Reihe im Blick aber bisher war die Neugierde dann doch nie groß genug gewesen, den Druck durch meinen Stapel der Schande zu überwinden und mir ein weiteres Spiel zu zulegen, welches ich vielleicht niemals anrühren würde…
Nun aber passte es ganz gut, dass ich den fünften Teil der Reihe in die Finger bekam und damit ja auch mal die Leistungsfähigkeit meiner Next-Gen-Konsole ausprobieren konnte. Insofern ist diese Meinung frei von Eindrücken der Vorgänger. Ergo kann ich auch keine Vergleiche ziehen oder Unterschiede herausarbeiten.
Zu allererst wie so oft gucken wir, was die Story uns zu bieten hat. Wir beginnen das Abenteuer fast direkt als unser Protagonist Arno. Zwar beginnt das Spiel mit einem kurzen Intermezzo als Templer, jedoch interessant wird es, sobald wir als achtjähriger Bursche das Mädchen Elise kennenlernen, mit ihr Spielen und dabei spielend Grundelemente der Steuerung kennenlernen. Verstecken, ausweichen, verschwinden wenn man entdeckt wurde. Macht im doppelten Sinne alles Spaß.
Umso tragischer wird es, als er an den Platz zurückkehrt, wo er auf seinen Vater warten sollte und diesen ermordet vorfindet…
Der Vater von Elise nimmt den Waisenjungen auf, um ihn eine Zukunft bieten zu können. Einige Jahre später, als erwachsener Mann, hat er nicht nur mit seiner Freundin aus Kindertagen eine leidenschaftliche, geheime Beziehung begonnen, sondern seine Fähigkeiten ausgeweitet mit diversen Parkourtricks.
Auf diese Weise erkunden wir Versaille, flüchten vor unseren Pflichten und schleichen uns lieber auf Parties. Nur doof, als dort unser Ziehvater ebenfalls Opfer eines Mordanschlags wurde – den wir vielleicht hätten verhindern können, wenn wir unsere Pflichten ernster genommen hätten – und wir am Ende als die Schuldigen darstehen.
Schwuppdiewupp findet man sich in der Bastille wieder, während draußen die Menschen immer unzufriedener werden und die französische Revolution im Anfangsstadium zu beobachten ist. Ab da gibt es nicht mehr viel zu sagen. Seltsamer Fremde nimmt uns dort unter die Fitiche, beim Sturm auf die Bastille können wir entkommen und leben fortan als Assassine glücklich und zufrieden bis an unser Lebensende…
Na ja, fast. Wäre da nur nicht dieser unstillbare Durst nach Rache und der Wunsch nach Vergeltung, für gleich zwei ermordete Väter!
Natürlich bietet die Story noch mehr, da gerade große Themen wie Liebe, Verrat, Schuld, etc. zu Kernstücken der Handlung werden und mit der symphatischen, wie auch taffen Elise ein gutes Gegenstück zu Arno existiert. Wenn nicht sogar ein besserer Charakter als er. Fast müsste man nämlich sie spielen, so toll insziniert wie sie ist. Während Arno stur durch sein Ziel der Rache definiert wird (was auch bei ihr einen großen Stellenwert einnimmt), wird sie für meinen Geschmack doch mit mehr Nuancen und zusätzlichen Aspekten bestückt, die ihr deutlich mehr Tiefe verleihen und als Figur des Spiels besser ausbauen.
Genauso gut gefallen mir zu großen Teilen die Nebenfiguren des Spiels, wie etwa der Maequis de Sade (Namensgebend für den Sadismus) und Arnos Lehrmeister und ominöse Bastille-Mithäftling Pierre Bellec. Etwas enttäuscht dagegen war ich von Napoleon, wobei er sicherlich gut in der Hinsicht getroffen wurde, wie er als historisch belegbar bekannt ist. Jedoch ist er im Aufeinandertreffen mit Arno doch recht blass weggekommen. Und das bei einem derartig eindimensionalen Protagonisten…
Apropo die Nebencharaktere. Hier können wir einen schönen Sprung auf das Questsystem des Spiels machen. Zum einen gibt es natürlich die große Rahmenhandlung des Spiels, welche in zwölf Segmente zerlegt gut 10+ Stunden (je nach Spielweise) brauchen um erlebt zu werden.
Daneben ist jedoch das Paris der französischen Revolution derartig voll mit Leben, dass es noch unzählige andere Dinge gibt, um die man sich kümmern könnte. So werden beispielsweise die eben genannten Nebenakteure Marquis de Sade und Napoleon zu regelmäßigen Bittstellern, die Arno auf diverse Missionen entsenden.
Oder man kümmert sich um das Café Théâtre, welches nicht nur als Informationsbeschaffungsdienst tätig ist, sondern auch als Arnos Hauptquartier fungiert. Dieses lässt sich ausbauen, wodurch weitere Missionen freigeschaltet werden und höhere Einnahmen generiert werden. Zudem kann man sogar noch weitere Gesellschaftsclubs renovieren, um somit seine Möglichkeiten zu erweitern.
Und zuletzt sind da noch die einfachen Bürger, die mit diversen Missionen einen beschäftigt halten. So oder so, morden dürfen wir in der Rolle von Arno reichlich, doch darüber hinaus dürfen wir sogar welche aufklären!
Denn die sogenannten mysteriösen Mordfälle scheinen für die örtliche Polizei angesichts der Revolutionsrevolten und aufgebrachten Bürger aktuell eher zweitrangig zu sein, weshalb wir uns darum kümmern die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Ausnahmsweise aber mal nicht mit unserer versteckten Klinge.
Wem das dann noch nicht Rätselei genug war, darf sich zusätzlich an den Nostradamusrätseln versuchen. Rauchende Köpfe garantiert.
Für die Sammler und Jäger unter den Spielern gibt es dann natürlich noch die Kokarden zum sammeln oder die Truhen, welche überall zur diebischen Langfingerei einladen. Angesichts all dieser Möglichkeiten verwundert es auch nicht, dass die Minimap beim Öffnen aussieht wie eine ausgeschüttelte Konfettibox…
Wo soll man da bloss anfangen?
Generell ist das eine Sache die man sich schnell fragt. Denn die Welt ist dermaßen groß und lebhaft, mit Untergrundschächten und der Möglichkeit in einige Häuser reinzuklettern, dass man sich ganz schnell orientierungslos fühlt. In all der Zeit konnte ich darüber hinaus kein Gefühl für die Stadt entwickeln, dass ich mal wusste wo ich bin, wo ich lang müsste und wo die Schleichwege wären. Da ist man dann doch wieder über die Konfettibox an Minimapsymbolen froh!
Und diese schier unendliche Größe bereitete auch Probleme. So haben sich wohl viele Spieler gefragt, ob man hier eine technische Katastrophe sich gekauft habe, da extreme Frameeinbrüche, Glitching und sogar optische Fehler (Gesichter bei Bürgern fehlen oder sie schweben in der Luft) zu Beginn keine Seltenheit waren und die ersten Shitstormwellen auslösten.
Da ich das Spiel nicht direkt zum Release hatte, sondern ein paar Tage später, konnte ich direkt vom Day1-Patch und weiteren schnell nachgeschobenen Korrekturen zerren, so dass ich tatsächlich fast keine Probleme hatte. Einzig und allein als ich mal Internet-Probleme hatte, zeigten sich auch bei mir die hässlichen Seiten Unitys…?!
So konnte ich also die wirklich umwerfende Grafik, lebendige Spielwelt und atemberaubende Atmosphäre genießen. Hier muss man sagen, dass Unity durchaus Maßstäbe gesetzt haben dürfte. Für mich liegen daher die Probleme des Spiels woanders. Zum Beispiel in der furchtbar schlechten Steuerung…
Will man in ein Fenster oder eine Luke einsteigen, macht Arno gerne mal mätzchen, so dass man den perfekten Moment verpasst um einen Gegner heimlich zu ermeucheln. Prompt darf man in Gefechtposition übergehen. Wo aber auch nicht immer alles klappt. Manchmal wird nicht pariiert, obwohl die Taste gedrückt wurde oder die Waffe weggesteckt, obwohl gegnerische Verstärkung so früh nachgerückt ist, dass es keinen Sinn mehr gemacht hatte. Ehe man sich versieht, ist man auch schon dahin… gnarf!
Aber manchmal kommt man ja gar nicht bis zum Fenster wo man hin will, da Arno einfach feststeckt, da er keinen passenden Vorsprung findet – obwohl direkt über ihm eine Lücke im Mauerwerk ist, was zum…?! – oder aber er springt von der Wand ab, statt nach oben aufs Dach und man muss nochmal hochklettern. Mag ja sein, dass das neue Kletter- und Parkour-System durchaus Verbesserung bietet im Vergleich zu früher, doch frustrierend ist es dennoch alle Male. Besonders wenn man fliegen will und Arno auf einen Tisch springt (obwohl man gefühlte zwei Meter dran vorbei gelaufen ist) und nicht wegkommt, solange man ja nicht die Parkour-Down-Funktion nutzt… VON EINEM BLÖDEN TISCH? ERNSTHAFT?!
Andererseits kann man ja auch schon froh sein, wenn man sieht wohin man rennt. Denn manchmal justiert sich die Kamera – trotz dessen, dass man sie ja frei bewegen kann – so ungünstig während eines Attentatversuchs, dass man das nur behoben kriegt, wenn man sich vor die gegnerische Nase hockt und hofft ihn so schnell zu eliminieren, dass er keinen Aufruhr macht und Kollegen aufmerksam werden. Gnarf again!
Wirklich gefallen hat mir das Schleichsystem. Nachdem man ein wenig sich dran gewöhnt hat und zusätzliche Tricks wie etwa die Phantomklingen und Berserkerklingen sich freigespielt hat, wird das Ausrotten einer kompletten gegnerischen Basis zum Kinderspiel. Massenmörder Arno lässt grüßen, muhahahaha!
Da kriege ich ja schon fast Angst die Vorgänger nachzuholen, wenn dies ein neues Gameplay-Element war… nicht schön!
Ebenfalls sehr schön und zugleich beängstigend mit Blick auf vergangene Teile ist die Tatsache, dass die Morde an den großen Storyzielen inzwischen nach eigenem Vorgehen geschehen können. So werden dem Spieler zwar Hilfen in Form von möglichen Ablenkungen oder einmaligen Attentatsmöglichkeiten geboten, doch steht es dem Spieler eben frei darauf zu verzichten und einfach seinen ganz eigenen Plan zu verfolgen. Und voila, auf einmal machen mir solche „Stealth-Games“ Spaß, was ist denn da los?
Den Koop-Modus konnte ich bisher nur minimal antesten, da ich nicht so der Fan bin mit irgendeinem Fremden, ohne Möglichkeit zur Kommunikation, agieren zu müssen. Ich habe zwar Kollegen, die dieses Spiel auch haben und wie gesagt daher diese Option mal testen konnte, aber halt auch nur in einem sehr kurzen Grad bisher.
Doch das was ich testen konnte, war genial. Gerade wenn man die Möglichkeit hat sich abzusprechen, gemeinsam Pläne zu schmieden und Gruppenfunktionen wie das Verkleiden nutzt, um sich dem Ziel zu nähern, macht das Ganze unheimlich viel Spaß. Zu viert stelle ich mir das hier noch viel geiler vor, doch gerade in der Zahl hatte ich noch gar keine Chance es auszuprobieren.
Zuletzt will ich nun noch auf das wirklich größte Manko des Spiels eingehen, welches die Fanbase wohl dermaßen verprellt hat, dass in Foren öfters von Boykott zukünftiger Teile zu lesen war: Das neue Geschäftsmodell des Spiels!
Obwohl es so unglaublich viele Truhen und Spielinhalte gibt, sind nicht alle zwangsläufig für den Spieler zu erhalten. Zumindest nicht, wenn er nicht auch noch die Extra-App nutzt, darin Minispiele absolviert, um damit wiederum Inhalte des Vollspiels freizuspielen. Teilweise sogar richtig interessante Sachen, wie etwa die Kostüme früherer Protagonisten!
Von der ständigen Nötigung sich doch bitte mit UPlay zu verbinden, will ich gar nicht erst anfangen. Kein Schwein will euer UPlay, also zwingt die Spieler nicht dazu, sondern zieht endlich den Stecker von dem Scheiß. Wann kapiert Ubisoft, dass das Ding einfach keinen Sinn macht. Erst Recht nicht es am Leben zu erhalten.
Gleichzeitig kann man sich für Echtgeld auch ein schnelleres Voranschreiten im Spiel erkaufen, da es die Ingame-Währung „Hack“ oder so gibt, mit der man alternativ zum französischen Livre Waffen, Rüstungen und dergleichen erkaufen kann. Angesichts eines Kaufpreises von gut 60,- € sehe ich so etwas als Dreistigkeit und Abzocke und die Leute die es Nutzen auch noch als dumm und faul an!
Denn immerhin lassen sich mit etwas Zeit und Geduld diese Inhalte ohne Echtgeldkäufe freispielen, aber jedem das Seine. Da kann man sein überschüssiges Geld auch einfach mir schenken. Ich wüsste damit schon sinnvollere Dinge anzufangen!
Die App selbst erinnert mich dabei zu großen Teilen an klassische Flashspiele. Man sammelt sich Assassinen zusammen, die man auf Missionen ensendet, wo sie Erfahrung sammeln, verbessert werden können und das nur um mit höherer Wahrscheinlichkeit schwierigere Missionen zu bewältigen. Und so schaltet man sich neue Inhalte frei.
Eine Erweiterung des Spielerlebnisses ist das nicht unbedingt. Es ist eher eine Gängelung, ja ich bin sogar bereits es Mobbing der eigenen Fans zu nennen!
Kein Wunder, dass da der Ubisoft-Aktienkurs ‘nen Abflug gen Boden macht…
Ich ignoriere dann halt die ganzen blauen und goldenen Truhen.
Ich meine ich kann ja eh nicht zu 100% alles ausschöpfen, selbst wenn ich mich auf das Spielchen (höhö, mieser Wortwitz) einließe. Denn die verschiedenen Sondereditionspakete mit ihren teilweisen Alleinstellungsangeboten blockieren diese Möglichkeit einfach.
Na klar, muss doch für Amazon, GameStop und wen sonst noch jeweils eine eigene Sondereditionsbox geschnürt werden, weil die Alle möglichst viele Käufer auf ihre dunkle Seite der Macht ziehen wollen… da hat man schon bald keinen Bock mehr überhaupt noch zu zocken…
Wenn man von diesem Problem aber einmal absieht, muss man sagen dass „Assassin‘s Creed Unity“ ein verdammt geiles und süchtigmachendes Spiel ist. Für mich vielleicht sogar der perfekte Titel, um den Einstieg in die Reihe zu finden und nun dran zu bleiben. Denn die ersten ungewollten Leaks zum potentiellen Nachfolger „Assassin’s Creed Victory“ (namenstechnisch wäre das doch besser für einen Teil V gewesen, oder?) im viktorianischen Englandsetting bieten für mich so unglaublich viel Potential, dass ich es jetzt schon am Liebsten zocken wollen würde, obwohl es in Unity noch reichlich zu tun gäbe für mich.
Bleibt die Frage inwieweit Geschäftsmodelle und technische Unvollkommenheit hier den Spielspaß eindämmen. Vielleicht sogar ganz ermeucheln?
Ich hoffe ihr habt nun noch einen schönen, assassinenfreien Tag und sage einmal mehr: cheerio!
Euer King Sirus
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