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Sonntag, 19. Januar 2014

Schwere Entscheidungen im schweren Regen

Hidiho meine Lieben,

ich bin euer King Sirus und heute reden wir über einen Bereich in Videospielen, der meiner Ansicht nach immer wichtiger wird: Emotionen!

Natürlich tun wir dies verpackt in einer Spieleansicht zu einem Spiel, welches mich emotional gepackt hat, wie kaum ein Anderes. Die Rede ist von „Heavy Rain“.

Die Jungs von „Quantic Dreams“ haben mit ihrem neusten Werk „Beyond two souls“ die Spielerschaft wie mit dem Beil in zwei Lager gespalten. Denn es geht noch einen Schritt weiter als „Heavy Rain“ und ist gefühlt eher ein Film, bei dem der Spieler hin und wieder rangelassen wird. Doch zu „Beyond two souls“ wird noch ein eigener Beitrag folgen.

Jetzt geht es wie bereits gesagt erst einmal um den Vorgänger, der seinerzeit ebenfalls neue Maßstäbe im Bereich Storytelling setzte, dank der Entscheidungsfreiheit die dem Spieler gegeben wird.

Erwähnte Story dreht sich um den sogenannten Origami-Killer und unsere vier Protagonisten deren Schicksale sich mit dem Pfad des ominösen Killers verknüpfen.

Da hätten wir zum einen Ethan Mars dessen tiefen Fall wir zu Beginn des Spieles miterleben. So verliert er seinen älteren Sohn bei einem Autounfall – der Junge wurde überfahren –, nachdem er ihn in einem Kaufhaus aus den Augen verloren hatte. Sich selbst die Schuld gebend, zerbrechen sein Leben, seine Karriere und seine Ehe daran. Er distanziert sich sogar von seinem jüngeren Sohn Shaun, doch als dieser vom Origami-Killer entführt wird, ist er bereit alles zu tun um seinen Sohn zu retten.

Daneben hätten wir die Journalistin Madison Page, die an Alpträumen und dadurch auch Schlaflosigkeit leidet. Daher übernachtet sie immer wieder in Hotels, da sie nur dort zur Ruhe kommt. In eben so einem begegnet sie zufällig Ethan und wird so in den Fall des Origami-Killers gezogen, in dem sie auch auf eigene Faust Ermittlungen anstellt.

Auf der Seite des Gesetzes steht der FBI-Profiler Norman Jayden, der mit modernsten Hightechuntensilien versucht den Fall aufzurollen, dabei aber an die Seite des örtlichen Detectives Carter Blake gestellt wird, mit dessen Methoden er so gar nicht konform ist. Nebenbei wäre da noch ein Drogenproblem mit der fiktiven Droge Triptokain…

Und zuletzt natürlich der Privatdetektiv und ehemalige Polizist Scott Shelby, der im Auftrag der Familien der bisherigen Opfer ebenfalls Ermittlungen anstellt und dabei ungewohnte Hilfe erhält.

Vier rote Fäden, die sich zu einem starken Handlungsstrang verweben und dem Spiel unglaubliche Tiefe und Spannung geben. Das Spiel lebt von diesen Charakteren. Doof nur, dass jeder der vier Charaktere die Chance hat zu sterben…

Doch was macht diese vier Gestalten so anders und auch besonders? Außer der Tatsache, dass sie nicht die heldenhaften Saubermänner sind, Ecken und Kanten haben, wir sie sympathisch finden und somit nicht nur Spieler sind, sondern wirklich in ihre Haut schlüpfen…
Moment einmal!

Ja, genau das ist das Besondere an ihnen. Der Spieler wird ein Teil des Spiels und bleibt eben nicht nur stummer Zeuge von außen.

Erleichtert wird uns dieses Hineinfinden in die Figuren nicht nur durch die absolut geniale Grafik. Nein, die Leute von „Quantic Dreams“ haben sich die Mühe gemacht modernste Filmanimationstechnik (zumindest kenne ich die Technik primär aus diesem Segment) für ihre Zwecke zu nutzen.

Die Mimik und ihre Bewegungsabläufe stammten von echten Menschen. Ein Konzept, welches auch in „Beyond two souls“ nochmals zum Einsatz kam.

Eine ebenfalls geniale Idee war das Entscheidungssystem in „Heavy Rain“, welches so gut war, dass es heute tolle Nachahmer findet, wie etwa bei „Telltale Games“. Auch hier wieder: Das ist die Situation, wie ich sie damals empfand, denn „Heavy Rain“ war damals das Spiel welches Maßstäbe setzte!

Diese Idee jedenfalls ließ die Grenze zwischen Spiel, Spielhandlung und Spieler noch mehr verschwimmen…

Eine Szene blieb mir hier besonders stark im Gedächtnis hängen. Es ging darum, dass die beiden Gesetzeshüter diverse Verbrecher, als Verdächtige der Origami-Killer sein zu können, aufsuchten. Darunter war auch ein Glaubensfanatiker, der Carter Blake als Geisel nahm. Ich musste mich entscheiden, wie ich handeln wollte.

Doof war nur, dass aufgrund der Aufregung von Norman Jayden die Handlungsbegriffe verschwommen, zittrig und extrem schnell umher kreisten. Ich traf zusätzlich unter Zeitdruck eine Entscheidung, drückte die Taste des Controllers und… ein Schuss ertönte…

Der Fanatiker war tot und ich entsetzt!

Das hatte ich nicht gewollt! Ich hatte mich verdrückt. Oder verguckt! Ich wollte ihn eigentlich beruhigen und nicht erschießen!

Und plötzlich machte es Klick bei mir. Waren das nicht dieselben Aussagen von Personen, nach echten Schusswechseln? Ich hatte geschossen. Die Gründe waren erst einmal zweitrangig. Meine Erklärungsversuche und Entschuldigungen irrelevant.

Ich hatte ein Leben auf dem Gewissen. Zwar nur ein virtuelles, doch in diesem Moment damals, hatte ich mich genau so mies gefühlt, als wäre es ein echtes Menschenleben gewesen.

Dieses Spiel hatte mich von der ersten Minute an gepackt und nicht mehr los gelassen. Es hatte mit meinen Gefühlen Achterbahn gespielt. So etwas war mir in dieser Intensität seltenst untergekommen.

Egal ob man die Story von „Heavy Rain“ mag oder nicht, das dieses Spiel ein Meisterwerk ist, kann niemand anzweifeln.

Also habt ‘nen schönen, Origami-Killer freien Tag und cheerio!
Euer King Sirus

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