Translate

Dienstag, 19. November 2013

Der Kampf gegen die Höllenfürsten beginnt

Hidiho meine Lieben,

ich bin euer King Sirus und ich beschäftige mich diesmal wieder mit einem Spiel der SNES-Zeit, welches ich sehr geliebt habe und noch immer liebe. Das kuriose ist aber, dass es ein spielerisches Paradoxon… wobei so richtig ist das… ach… wisst ihr was? Hier einfach die Erklärung:

In Deutschland erschien bei uns „Lufia“, doch das Kuriose war das dies eigentlich bereits der zweite Teil war. Aus irgendeinem Grund wurde das wahre „Lufia“ bei uns übersprungen und stattdessen dachte man sich, dass „Lufia 2 – Rise of the Sinistrals“ auch gut als erster Teil herhalten könne. Was auch gar nicht mal so abwegig war, denn der zweite Teil spielte vor dem Ersten und erzählte die Vorgeschichte, bzw. die Geschichte der Vorfahren der Protagonisten, zum ersten „Lufia“. Was das Ganze aber dann noch komplettiert ist, dass man in „Lufia“ mit den vier Helden – welche das Team am Ende von „Lufia 2 – Rise of the Sinistrals“ bilden – anfängt und quasi das Spiel mit einem Spoiler zum Ende seines Nachfolgers beginnt.
Über die Hintergründe zu diesem komischen Konstrukt wussten vermutlich die Wenigsten. Ich selbst habe das auch erst sehr spät herausgefunden.

Was mich erstaunt ist eigentlich noch ein anderer wichtiger Faktor. Und zwar, dass viele Elemente aus modernen Japano-RPGs zum Großteil bereints in „Lufia“ vertreten waren. Für mich gehört es ohnehin zu den Urgesteinen dieses Genres neben Größen wie „Final Fantasy“ oder „Dragon Quest“. Wobei im Punkto Japano-RPG Urgesteine natürlich auch Titel wie „Chrono Trigger“, „Terranigma“ oder „Secret of Mana“ fallen. Einige davon werden natürlich hier auch abgehandelt, aber eben später.
Bevor ich mich weiter verrenne, komme ich zum eigentlichen Knackpunkt meiner Aussage: Neben den genannten Titeln hat mitunter „Lufia“ sicherlich den Erfolg dieses Genres geprägt.

Das Spiel ist einfach ein Spiel meiner Kindheit und eben eines von denen die mich am Meisten geprägt haben. Wie bei vielen Spielen meiner SNES-Zeit im Kindesalter stand ich also auch hier mit meinem Vater in einem Wettstreit (witzig, dass er auch damals auf das Ding so abfuhr xD), wer es zuerst durchspielen würde.

Natürlich habe ich ihm – genauso wie bei „Super Metroid“ – öfters ausgeholfen, wenn er bei den etwas schwierigeren Passagen nicht so richtig weiterkam. Dafür hatte er immer die günstigeren Spielzeiten, weshalb er auch hier… wieder einmal, wie so häufig… vor mir das Spiel beenden konnte.
Scheiß Schule, die war schuld ;D

Hmmm… irgendwie bin ich wieder vom Thema gekommen, also was wollte ich für Murks schreiben? Ach ja!

Worauf ich eigentlich hinaus wollte ist, dass ich trotz der langen Zeit – die es her ist seit ich es gespielt hatte – noch immer die Handlung problemlos drauf habe. Das liegt an der einfachen Tatsache, dass sich dieses tolle Spiel praktisch in mein Hirn gebrannt hat. So richtig brutal mit Brandeisen!

Man beginnt als der einfache Monsterjäger Maxim, dessen erste Aufgabe es wird eine nahe gelegene Höhle von den dort hausenden Monsterhorden zu bereinigen. Kaum ist diese erste Aufgabe bewältigt, trifft er auf Iris. Eine mysteriöse Frau, die ihm einiges über sein Schicksal und seine Bestimmung prophezeit. Maxim macht sich also auf in die weite Welt dieser Bestimmung zu folgen. Der Anfang klingt nun vielleicht nicht wie der Beginn des nächsten potentiellen Bestsellerromans, sondern eher wie das typische 08/15-Klischee Rollenspiel. Doch der Clou ist, dass sich „Lufia 2 – Rise of the Sinistrals“ zu einem unglaublich schönen und zeitgleich maßlos traurigem Epos entwickelt, dessen Story einen packt, durchschüttelt und einfach nicht mehr loslassen will.
(Ihr erinnert euch an das Thema traurige Storys vom letzten Beitrag? ;D)

Ich weiß auch noch sehr gut, wie ich geheult und mich gefreut habe. Wie ich zum ersten Mal mit voller Leidenschaft das Böse bezwingen wollte. Gefühle die mich als kleinen Steppke beim Spielen dieses Meisterwerkes vom kleinen Zeh bis zu Haarspitze erfüllt haben!

Aber nicht nur die Story wusste zu überzeugen, auch auf technischer Basis glänzte das Spiel mit einigen Qualitäten. So gab es Spezialattacken, die je nach Ausrüstung variierten und erst genutzt werden konnten, wenn sich der sogenannte Zornesbalken zu einem gewissen Grad gefüllt hatte. Blöd nur, dass zum Füllen dieses Balken man so manchen Treffer einstecken musste, was die ganze Aktion dann immer zu einem Spiel mit dem Tod machte. Und wenn der mal eintrat, war der Balken auch erst einmal egal (und leer).

In den Dungeons selbst wurde eine Idee verfolgt, die so in der Art bis dato eher seltener vertreten war und auch später wieder eine Seltenheit wurde: sichtbare Gegner.
Die Idee wurde, wenn ich Recht informiert bin, erstmals zwei Jahre zuvor in „Final Fantasy Mystic Quest“ (1993) eingeführt und hat in „Final Fantasy XII“ in gewisser Weise eine Renaissance erlebt. Aber nicht nur hier zeigt uns die Spielgeschichte, dass sich Historie wiederholt.

Dekar, einer der vielen Helden die in „Lufia 2 – Rise of the Sinistrals“ ein und ausgingen, erlebte beispielsweiseeinen heroischen Heldentot, der mir die Tränen in die Augen trieb. Und das ganze zwei Jahre, bevor Square auch nur daran dachte Aerith dasselbe tragische Schicksal zu zuweisen.
Ja gut, ich höre schon wieder die Kritikerstimmen. OK, OK, ich gestehe! Ich nehme es hier nicht ganz so genau grad ;P

Denn eigentlich ist der gute Dekar eher ein Stehaufmännchen, da er im Abspann doch tatsächlich quicklebendig wieder auftauchte, was etwas ungünstig war. Dadurch wird einfach viel von der Dramatik seiner Heldentat genommen und die Gewichtung seiner Aufopferung geschmälert, was einfach schade ist. Vielleicht könnte man dies als das größte Manko des Spiels betrachten.

Graphisch bewies das Spiel, wie viel noch im 2D der SNES-Spiele so stecken konnte. Optisch sah es einfach hundertmal besser als, als viele Kontrahenten zu jener Zeit. Aber das ist einfach typisch für eine sterbende Konsolengeneration. Dann wird wirklich noch einmal alles rausgekitzelt, was auch nötig war. Stand doch bereits die PlayStation 1 auf der Türmatte und leitete das Zeitalter der 3D Spiele ein.

Vor allem die Zauberanimationen gehören in meinen Augen zu den Besten der damaligen Zeit. Muss sich aber nicht unbedingt vor modernen Animationen verstecken. „Lufia 2 – Rise of the Sinistrals“ zeigte sogar im Bereich der Aufrufe eigene Kreativität – die sogenannten Kapselmonster.
Man könnte diese fast für die Urahnen der Pokémon halten, da auch sie sich auf höheren Stufen entwickeln konnten, um auf diese Weise stärker zu werden. Dabei war das Levelsystem auch interessant, da man seine ausrangierten Items den Kapselmonstern zum Fressen vorwarf, damit sie irgendwann ihr LevelUp haben.

Die Zauberbezeichnungen waren auch lufiaeigen und folgten nicht dem Schema, welches ein wenig von Final Fantasy geprägt wurde.
Zusammen mit den wirklich einfallsreichen und komplexen Rätseln (dieses blöde wachsende Pflanzenrätsel kann einen schier zur Weißglut bringen, ARGH!!!), dem angeblich schwersten Rätsel der Welt (ich habe Schieberätsel hassen gelernt!), die Suche nach den Dracheneiern (keine Dragon Balls Witze bitte… nein, wirklich… bitte nicht!!!) – die anschließend immer wieder in allen Dungeons der Welt vertreut wurden, fast wie die Eiersuche an Ostern… – und dem berühmtesten Dungeon der Spielegeschichte: Die Ahnenhöhle (ein Ort wo man wieder mit Level 1 und ohne Equipment anfing, sich versuchte bis zur Etage 100 durchzuprügeln, nur um dort den großen Blob zu bekämpfen, unterwegs Equip aufsammelte, welches man aus der Ahnenhöhle rausnehmen durfte, und auch noch die legendären Iris-Items suchte) bietet „Lufia 2 – Rise of the Sinistrals“  auch unheimlich viel Spaß neben der eigentlichen Hauptstory.

Auf diese Weise müsste purer Spielspaßfaktor auf locker über 150 Stunden und extreme Suchtgefahr beinahe schon als Garantiehinweis auf der Verpackung aufgedruckt sein. Ich bin von diesem Spiel dermaßen geschädigt, dass alle Japano-RPGs die ich spiele einen direkten Vergleich mit diesem Meisterwerk standhalten müssen. Vor allem was einfach die dichte, verwobene Story angeht.
Denn seien wir mal ehrlich: Kaum ein Spiel der SNES-Zeit schafft es doch sich im Bereich des Storytelling hiermit zu messen, oder?

Genug Schachtelsätzefolterei jetzt aber, habt lieber noch ‘nen schönen Tag und cheerio!
Euer King Sirus


PS: Es gibt ein „Remake“, welches sich leider so schimpfen darf. Leider hat es den Begriff zu wörtlich genommen. So wurde nicht etwa einfach ein schöner SNES-Klassiker in moderne Zeiten portiert – mit ein paar schönen neuen Erneuerungen –, sondern es wurde ein gänzlich neues Spiel erschaffen, welches nur noch ein paar lose Verknüpfungen zu seinem Vorfahr aufweist. Genau das ist für mich ein Frevel diesem tollen Spiel gegenüber, daher gehe ich auf diese Abscheulichkeit von Remake nicht weiter ein!!! Sorry, aber is nich!!!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.