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Sonntag, 23. Februar 2014

Objection! Ob ein Spin-Off überhaupt funktionieren kann?

Hidiho meine Lieben,

ich bin euer King Sirus und nachdem wir uns nun durch Phoenix gesamte Karriere gekämpft haben und vielen Unschuldigen geholfen haben, sollten wir vielleicht für die Staatsanwaltschaft einmal die Lanze brechen. Wie wäre es indem wir einfach mal direkt ein paar – und zwar die richtigen – Verbrecher dingfest machen? Wo? In „Ace Attorney Investigations: Miles Edgeworth“!

Ich war tatsächlich sehr begeistert, als damals das Spin-Off angekündigt worden war. Umso trauriger bin ich, dass die Fortsetzung bis heute noch nicht den Weg in den Westen gefunden hat. Dazu jedoch später mehr.

Wollen wir erst einmal uns mit der Story auseinander setzen. Nach den Ereignissen von „Phoenix Wright: Ace Attorney – Trials and Tribulations“ scheint Edgeworth erst einmal eine Pause zu brauchen, zumindest kehrt er zu Beginn des Spiels von einer einmonatigen Reise wieder. Doch statt mit einer freundlichen Überraschung, wird er von einer Leiche in seinem Büro begrüßt. Natürlich lässt sich unser guter Miles so etwas nicht bieten und ergreift sofort die Untersuchungen, um den Täter zu finden.

Dabei wird sofort die größte Änderung des Spiels offensichtlich: Es finden keine Auseinandersetzungen vor Gericht statt! Dennoch können wir auch hier Strafen erleiden und müssen aufpassen, dass unser „Strafbalken“ nicht gen Null geht, da dies das Spielende bedeuten würde.

Dabei lernen wir die einfache Steuerung des Spiels aus. So bewegen wir uns mit dem Steuerkreuz und können auch den ganzen Tatort vernünftig untersuchen. Schließlich bewegen wir uns nicht wie der gute Phoenix in der First-Person Ansicht, sondern in übersichtlicher Third-Person Ansicht. Auch dürfen wir wie gesagt die Orte gründlich untersuchen und nicht nur die Bereiche, die uns vom Spiel erlaubt werden. Ist vielleicht auch nicht verwunderlich, der gute Miles ist ja auch jemand der logisch vorgeht und nicht durch seine Fälle stolpert.

Jedenfalls wirkt es dadurch auch freier in den Möglichkeiten, als beim Stachelfrisurkollegen. Zudem erinnern mich die Fälle an die klassischen Detektivromane von Sir Arther Conan Doyle und Agatha Christie, wo der Ermittler erst alles genauestens untersucht und dann vor Ort – mehr oder weniger – nur dank seinem scharfen Verstand den Täter vor allen Anwesenden überführt.

Aber weiter mit dem zweiten Fall, wo wir uns einige Tage zurückerinnern. Denn während unseres Rückflugs ereignet sich erneut ein Mord, nur dass wir diesmal der Tat beschuldigt werden von einer Flugbegleiterin. Nachdem wir uns aber von der Schuld teilweise befreien konnten, dürfen wir den Fall untersuchen, um endgültig unsere Unschuld zu beweisen.

Inzwischen haben wir auch einen Großteil der neuen Spielmechaniken kennen gelernt nach zwei Fällen. Zum einen die Argumentationen. Dieses Konzept ähnelt stark den Kreuzverhören von Phoenix, ist aber eben die eigene Art von Miles die Wahrheit herauszufinden. So werden Zeugen oder auch andere Ermittler in einer Form der Befragung mit Fakten konfrontiert und Ungereimtheiten aufgedeckt.

Daneben gibt es noch den Logik-Aspekt. So werden Probleme, Fakten und Fragen in einem eigenen Bereich gesammelt und können miteinander kombiniert werden, um neue Erkenntnisse zu erlangen. Diese können helfen eine neue Spur zu finden oder einen weiter zu bringen, wenn man feststeckt.

Aber auch unser Gehilfe steht uns genau dafür zur Seite. Wie Phoenix von Maya oder Pearl Fey oftmals begleitet wurde und Apollo von Trucy, steht auch Miles stets jemand hilfreich zur Seite. Nur ist das kein fester Begleiter, sondern je nach Fall kann es mal Franziska, Gumshoe oder sogar gänzlich Fremde sein.

Unser dritter Fall verwickelt uns in eine verzwickte Entführung. Der Vater des Entführten kommt zu uns, um unsere Hilfe einzufordern da Miles ihm noch einen Gefallen schuldig war. Doch endet diese Entführung in einem Angriff auf Miles und einem Mord an einem der Entführer. So wird innerhalb kürzester Zeit ein verzwicktes Konstrukt aus einer scheinbar einfachen Entführung.

Doch dieser Freizeitpark, wo die Lösegeldübergabe stattfinden sollte, wird auch zum Hort überraschender Begegnungen. So treffen wir nicht nur den Interpol-Spitzenagenten Shi-Long Lang samt Assistentin Shih-Na – beide wurden von Franziska zuvor bereits einmal erwähnt –, sondern auch altbekannte Gesichter wie Ema Skye. Diese dürfte dem einen oder anderen noch aus dem Bonusfall des ersten „Ace Attorney“-Titels und dem „Apollo Justice“-Spiel bekannt sein. Ihre forensischen Kenntnisse kommen auch uns diesmal zu Gute.

Und wo wir schon bei neuen Bekanntschaften sind, darf natürlich das mysteriöse Mädchen Kay Faraday nicht fehlen, die von sich selbst behauptet der Nachfolger des berühmten Diebes Yatagarasu zu sein. Auch wenn sie noch keinen großen Diebstahl begangen hat…

Dafür bietet sie uns ihre Hilfe an und die hat es in sich, in Form einer neuen Spielmechanik: Little Thief!
Doch was ist „Little Thief“? Es handelt sich dabei um ein Gadget, welches in einer Art Holodeck-Simulation („Star Trek“ lässt grüßen) Tatorte samt Hergang basierend auf Beweisen und Zeugenaussagen rekonstruieren kann. Dies nutzen wir um Zeugenaussagen zu überprüfen oder auch Ungereimtheiten aufzudecken. Die Simulation lässt sich mit neuen Informationen füttern, um sie anzupassen und auf dem neusten Stand zu halten.

Kaum ist die Entführung aufgeklärt, müssen wir feststellen Kay bereits einmal getroffen zu haben. Viele Jahre ist es her, doch langsam kehrt die Erinnerung zurück. So sollten wir unseren ersten Fall als Staatsanwalt übernehmen, als Ersatz für einen Kollegen der beschuldigt wurde der Dieb Yatagarasu zu sein. Doch bevor wir vor Gericht ziehen können, kommt es zu einem Mord. So wird der Kollege den wir vertreten sollten, aber auch der Angeklagte Tod vorgefunden.

So müssen wir unseren ersten Auftritt erst einmal verschieben – vielleicht erinnert ihr euch noch, aber der wahre erste Fall von Miles war gegen Mia Fey in „Phoenix Wright: Ace Attorney – Trials and Tribulations“ –, was nicht heißt dass wir nicht trotzdem den Mord aufklären wollen!

Dabei begegnen wir nicht nur zum ersten Mal dem noch jungen Detective Gumshoe, sondern begegnen auch der jungen Franziska von Karma. Die kleine Kay Faraday taucht ebenfalls auf, da sie die Tochter des getöteten Staatsanwalts ist.

Was diesen vorletzten Fall aber wirklich besonders macht, ist dass er den Grundstein für sämtliche vorherigen Fälle darstellt. Für die Schmugglerring-Thematik und für die Yatagarasu-Thematik. Die Auflösung all dieser Handlungsstränge werden jedoch im letzten Fall des Spiels offenbart.

Dieser handelt unteranderem vom endlosen Streit zweier benachbarter Staaten – welche einst ein Land waren –, vom Mord am Sekretär des einen Botschafters, von einem angekündigten Diebstahl durch den Dieb Yatagarasu und einem Brand.

Ihr seht also, wir müssen einige Strapazen bewältigen, bevor wir die komplexe Handlung entworren haben und zum Kern des Falls vorgedrungen sind.

Jeder Fall ist immer ein Stück größer und umfangreicher als der Vorherige, so dass man bei dem Letzten beinahe schon vom Meisterwerk dieses Titels sprechen kann. Schade ist nur, dass wir alles lediglich in englischer Sprachausgabe durchstehen müssen. Begründet wird dies mit den schlechten Verkaufszahlen. Diese wurden sogar zum Argument, warum man die Fortsetzung nicht außerhalb Japans herausbrachte. So wurde vermutet die Einnahmen würden die Kosten nicht wieder reinholen können. Ich persönlich kann das nur schwer glauben, bei dem Erfolg der Reihe, doch inzwischen wankt diese Haltung ohnehin etwas.

Vielleicht wurde aber ein noch größerer Erfolg erhofft. Das Problem ist aber wohl, dass die etwas… sagen wir „verrückteren“ und besonderen Spiele aus Asien nur schlecht bei uns ankommen, da deren Kreativität hier gern mit kindisch verwechselt und gleichgesetzt werden. Aber was erwartet man auch von einer Nation, die inzwischen zum Lachen in den Keller geht…

Gerade die Fortsetzung scheint ebenfalls eine absolut geniale Story zu bieten, die sich intensiver mit Miles auseinandersetzt und dessen Vergangenheit. Aber auch mit tiefgründigen Fragen, denen sich der Staatsanwalt stellen muss.

Einen – OBJECTION!.... soll ich dich einer Straftat überführen? Gib endlich Ruhe! – schönen Tag und cheerio!
Euer King Sirus

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