Hidiho meine Lieben,
ich bin euer King Sirus und
heute tauchen wir in die Welt des Science-Fiction ein. Spiele entwickeln sich
grafisch immer weiter und werden realistischer. Doch wann erreichen wir den
Punkt, wo wir nicht mehr erkennen, ob wir uns in einem Spiel oder der
Wirklichkeit befinden?
Ein Szenario, dass in Sci-Fi
Filmen wie „Matrix“ oder „eXistenZ“ gerne zur Basis wird, um actionreiche oder
thrillerartige Storykonstrukte zu erschaffen, die den Zuschauer am Ende mit
mehr Fragen als Antworten aus dem Kinosaal zu entlassen.
Eigentlich hatte ich mich mit
diesem Thema erst im späteren Verlauf des Jahres beschäftigen wollen, aber
nachdem es in letzter Zeit wieder etwas mehr Bewegung im Bereich der virtuellen
Realität gab, habe ich – wie schon in den beiden Let’s Think davor – meine Pläne
umgeworfen, um den aktuellen Anlass auszuschlachten.
Und so komme ich zu einer
kleinen, unscheinbaren und doch gewichten Frage: Wie nah sind wir diesen Ideen
der Literatur und Filmbranche bereits?
Die Antwort könnte
überraschen: Womöglich näher, als wir glauben.
Ich finde dieses Thema
ungeheuerlich spannend, denn als Spieler ist es ein Traum diese Entwicklung zu
erleben. Ich bin mir sogar zu 100% sicher, dass ich sie zu Lebzeiten – Gott,
lass mich bitte nicht gleich morgen von einem Bus überrollt werden, ja? – auch noch
mitbekommen werde. Es stellt spieltechnisch in etwa den Sprung von der 2D-Grafik
des SNES zur 3D-Grafik des N64 und der PlayStation dar. Erstmalig nicht nur
Zuschauer sein, sondern wahrhaftig die Figur im Spiel!
Gleichzeitig ist da meine
rational denkende und sozialkritisch interessierte Seite in mir, die darin die
Vorstufe zum Untergang der Menschheit sieht. Gut, das mag nun überspitzt
wirken, weshalb ich dazu später noch einmal komme.
Betrachten wir doch erst
einmal die aktuellen Entwicklungen und fangen vielleicht erst einmal ganz oben
an. Bei unserer Birne. Denn wir glauben nur, was wir sehen.
Am Bekanntesten dürfte wohl
die „Oculus Rift“ sein, wo es zuletzt den größten Aufschrei gab. Ein vielversprechendes
Kickstarter-Projekt, welches nur 250.000 USD als Finanzierungsbasis haben
wollte. Nach nur vier Stunden waren diese erreicht und am Ende der Frist beinahe
das 10-fache eingenommen! Gratulation, das nenne ich mal Erfolg auf voller
Linie. Nun hat sich Facebook die Firma unter den Nagel gerissen, was an und für
sich keine dumme Idee war. Doch hier wären wir wieder beim apokalyptischen
Punkt, den wir uns für später aufsparen wollten. Also liebe Reiter, haltet noch
die Pferdchen im Zaum.
Konkurrenz bekommt diese nun
durch das „Project Morpheus“ von Sony, die eine VR-Brille für ihre Heimkonsole,
die PlayStation 4, rausbringen wollen. Ein knallhartes Kaufargument – wenn sie denn
auch gut funktioniert, also ohne „Red Lens of Death“ oder so einen Schmarn –, welches
die Konsole wohl an die Spitze in der aktuellen Generation bringen könnte.
Was dieses Projekt jedoch zu
bieten hat, ist die Frage. Schließlich wurde gerade einmal ein Prototyp auf der
CES vorgestellt, geschweige denn existiert eine Software für Spieleentwickler,
um die Brille effektiv als Spielmittel einbinden zu können. Womöglich dürfen
wir die VR-Brillen aber auch erst bei der PlayStation 5 einsetzen, denn ein
Prototyp ist letztendlich eben nur ein Prototyp und weit entfernt davon
Marktreif zu sein!
Welch ein immenses Erfahrungspotential
eine Virtual-Reality Brille jedoch bietet, zeigt an ganz anderer Stelle bereits
heute das „Gender Swap Experiment“.
Hierbei trugen ein jeweils
weiblicher und männlicher Proband eine „Oculus Rift“-Brille, an der ebenfalls
außen eine Kamera angebracht war. Der Clou war nun, dass man nicht das Bild der
eigenen Kamera sah, sondern dass des anderen Geschlechts. Wer wollte nicht
schon immer einmal für einen Tag im Körper des anderen Geschlechts stecken?
Nun, ein wenig konnte man hier sich dieses Gefühl vorgaukeln lassen.
Es greift aber auf einen
Wunsch zurück, den vermutlich gerade in unserer modernen Gesellschaft, viel zu
viele Menschen innerlich hegen: Jemand anderes sein zu wollen!
Nicht man selbst zu sein,
gefangen im eigenen, langweiligen, trostlosen Leben in einer Welt ohne Spannung
und Abenteuer. Lieber ist man ein Barbar und jagt den Fürst der Hölle, rennt
als blauer Igel durch verrückte Welten oder lernt in einer schaurigen Stadt das
Fürchten, weil man dachte eine Pyramide gesehen zu haben?
Nun, die Brille allein reicht
leider noch nicht, um die Illusion zu perfektionieren. Immerhin sitzen wir noch
auf unserer bequemen Couch und haben einen blöden Controller in der Hand, der
das Gefühl dem wir nachsehnen noch stört.
Wie wäre es also wenn wir aufstehen
und uns ein wenig bewegen? Und ich rede hier nicht davon die Wii-Remote rum zu schwingen
oder vor der Kinect rum zu fuchteln…
Ich rede tatsächlich davon zu
laufen!
Genau hierfür hätte ich auch drei
Möglichkeiten im Angebot. Zum einen die „WizDish“,
welche ihr Kickstarter-Ziel von 50.000 Pfund nicht erreichte. Hierbei wird
scheinbar eine Art Mischform aus Skaten und normalem Laufen erzeugt, dank der
speziellen Disk auf der man sich bewegt und extra Schuhen die den Mischeffekt
möglich machen. Ein durchaus interessantes Konzept, welches meiner Meinung auch
einige Vorzüge gegenüber dem gleich Erwähnten aufweist, jedoch in der
Präsentation oftmals so wirkt, als müsste man sich extrem darauf konzentrieren
die Balance zu halten. Eine Wirkung die abschreckt, was für mich den Misserfolg
des Crowdfundingversuchs begründet, trotz auch des deutlich günstigeren
Preises.
Dagegen steht die „Omni“ von der Firma
Virtuix. Die Idee dieses sogenannten „omnidirektionalen Laufbandes“ ist nicht
neu, jedoch womöglich zum ersten Mal massentauglich! Je nachdem kann man sich
zwischen einer etwa 250 USD oder 430 USD Variante entscheiden, wobei das nur bedeutet:
Bausatz oder Fertigprodukt. Ach ja und natürlich wären da noch die Lieferkosten
im dreistelligen Kostenbereich…
Sowas nennt man dann also
massentauglich?
Vom Bewegungsprinzip ist es
der „WizDish“ nicht unähnlich. Besonderer Untergrund, besondere Schuhe, dazu
ein Rahmen an dem man auch befestigt ist. Jedenfalls ging bei diesem Project
die Sammelaktion voll auf. Statt der erhofften 150.000 USD Startkapital, durfte
Virtuix sich über 1,1 Millionen USD freuen.
Last but not least, hätten wir
da noch den „Virtualizer“ von Cyberith. Braucht ein wenig mehr Platz als die „Omni“, ist tatsächlich aber
das Konzept welches mich am Meisten anspricht. Denn man braucht im Gegensatz zu
den beiden Kontrahenten keine speziellen Schuhe. Zwar man auch hier in einem
Gerüst eingespannt, jedoch habe ich das Gefühl, dass dieses mich persönlich
zumindest deutlich weniger stören würde, als das der „Omni“.
Hinzu kommt, dass es durch das
mitschwingen des Gurtes/Gerüstes Bewegungsabläufe zulässt, die ich bei der „Omni“
mit gar nicht oder nur kaum vorstellen kann. Zudem ist man Systemungebunden.
Während sowohl „WizDish“, als auch „Omni“ die Kinect als Tracking-System
brauchen, hat der „Virtualizer“ sein eigenes System, wodurch er mit jeglicher
Konsole und dem PC kompatibel wäre. Wie viel dieser feuchte Gamertraum jedoch
kosten soll, ist noch nicht bekannt.
Somit blicken wir bereits
durch die Augen unserer Figur und laufen als unser Held durch dessen Welt.
Natürlich reicht das noch nicht. Denn selbst mit Motion Plus ist die Wii-Remote
nicht in der Lage alle gewünschten Bewegungen zu simulieren und die Kinect
bringt’s da im Spielesektor soweit ich das richtig mitbekommen habe auch nicht
wirklich. Wie wäre es also mit einem Anzug, der euren Körper zum Controller
macht? „PrioVR“ heißt das Zauberwort!
Die Leute von YEI Technology versuchten
für die „PrioVR“ sich auf Kickstarter ein Startkapital zu schaffen und hofften
225.000 USD würden zusammen kommen. Leider war es nicht einmal ganz die Hälfte
der Summe, die gespendet wurde. Nun im zweiten Anlauf und mit bescheideneren
75.000 USD als Ziel klappte es. Ironischerweise kamen diesmal über 270.000 USD
dabei zusammen…
„PrioVR“ ermöglicht nicht nur
genauere Armbewegungen, als Wii-Remote mit Motion Plus, sondern auch den
Einsatz von Fußbewegungen, wie etwa Tritten – auch wenn diese in den
Werbevideos noch ein wenig staksig wirken, man kann ja nicht alles haben… zumindest
nicht sofort.
Leider würde sich dieses
System mit den gerüstbasierenden Laufsystemen wie „Omni“ oder „Virtualizer“
beißen. Versucht einmal einen High-Kick zu machen, wenn euch da so ein Gürtel
behindert. Andererseits wird in einem der Trailer die „Omni“ sogar explizit als
Bewegungsmöglichkeit erwähnt.
Sieht so aus, als gäbe es viele potentielle technische
Entwicklungen. Wer sich noch ein wenig näher mit der Geschichte der virtuellen
Realität auseinander setzen will, dem empfehle ich folgenden Link: VRWiki.
Vielleicht nicht die schönste Wiki-Seite, aber um sich zu
informieren ein guter Anfang.
Nun möchte ich jedoch einen Bogen schlagen zu meinem
anderen, eingangserwähnten Ich, welches in der Entwicklung auch Probleme sieht.
Gerade wenn wir noch einmal auf den Punkt zurückgreifen, dass Facebook die „Oculus
Rift“ aufkaufte. Ein genialer Schachzug durchaus, wenn man bedenkt welch Blüten
eine Kooperation eines sozialen Netzwerkes mit einer Möglichkeit der
Interaktion via virtueller Realität hervorbrächte.
Man denke hier nur an „Second Life“, was vor zehn Jahren
Hype und Kontroverse zugleich war. Facebook könnte nun sozusagen ein „Secon
Life 2.0“ erschaffen, wo man nicht nur sich durch einen Avatar repräsentieren
lässt, sondern sich viel stärker auch als diesen empfinden kann. Wenn man dazu
die Bewegungstechnologie hinzuzieht, entstehen nochmals neue Möglichkeiten.
Wozu in den Urlaub fliegen, wenn ich per virtueller
Realität auf dem Mond spazieren gehen kann? Tourismus – vielleicht nicht in
dieser Form – wird beispielsweise von Cyberith auf der Website sogar als
Beispiel weiterer Nutzungsmöglichkeiten angepriesen.
Oder meine Klamotten virtuell einkaufen und anprobieren.
Klar ist das ein Konzept was so bereits mit Kinect funktionieren würde, aber es
ist in der Abstufung und dem Erlebnis doch noch ein Unterschied. Kinect schien
ohnehin bereits ein Schritt in die Zukunft zu sein. Filmszenen wie aus „Minority
Report“, wo quasi auf Holobildschirmen per Gestik gesteuert wurde, wirkten
beinahe schon wie ein Bericht von Morgen und nicht mehr wie ein Sci-Fi Film.
Die Ideen der Filme für Morgen, sind in den Ansätzen
bereits heute angekommen. Was aber auch bedeutet, dass man sich mit den
kritischen Aspekten die die Filme behandeln, langsam auseinander setzen sollte.
Philosophische Konfliktpunkte, wie etwa der Verlust des eigenen Selbst in dem
ganzen virtuellen Netz oder auch der Rückgang sozialen Miteinanders werden
somit zu immer wichtigeren Themen. Auch hier zeigen sich bereits die Ansätze
schon heute und nicht erst morgen, wenn die neue Technologie da ist.
Ist dies also unsere moderne Büchse der Pandora?
Verbesserte Entwicklungen dieser Technologien, werden nur
die Förderung des Problems in Form von geringeren Preisen und somit
Massentauglichkeit mit sich bringen. Die Existenz des Problems ist wie gesagt
aber schon jetzt vorhanden. Wir suchten nach Abenteuern und einer
Verwirklichung in einer anderen – besseren? – Welt.
Sofort fallen mir wieder Filme ein, die in dieser oder
ähnlichen Form die Probleme aufgreifen. „Surrogates“ etwa oder ein Film –
dessen Titel ich bis heute nicht herausfinden konnte –, wo es die ganze Zeit
nur um eine Person ging, in ihrem Zimmer, sich nicht hinaus traute und chattete.
Sein Leben im Internet verbrachte und sich nur darüber definierte.
Was aber ist danach der nächste Schritt, aus diesen
Technologien? Holodecks? Oder kommen wir bis dahin erst gar nicht, weil wir
ausgestorben sind, da virtueller Sex eben nicht für Nachwuchs sorgt?
Ich muss ehrlich gestehen: Ich wüsste nicht, ob ich der
Versuchung des Virtuellen widerstehen könnte. Ich freu mich ja jetzt schon
drauf, diese neuen Technologien zum Zocken zu nutzen…
Wie viel brauch es dann noch für den endgültigen Schritt
dort zu bleiben?
Habt noch einen echten, so wie
schönen Tag und cheerio!
Euer King Sirus
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