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Samstag, 29. März 2014

Let’s Think: Die wunderbare Zukunft?! – Oculus Rift & Co.

Hidiho meine Lieben,

ich bin euer King Sirus und heute tauchen wir in die Welt des Science-Fiction ein. Spiele entwickeln sich grafisch immer weiter und werden realistischer. Doch wann erreichen wir den Punkt, wo wir nicht mehr erkennen, ob wir uns in einem Spiel oder der Wirklichkeit befinden?

Ein Szenario, dass in Sci-Fi Filmen wie „Matrix“ oder „eXistenZ“ gerne zur Basis wird, um actionreiche oder thrillerartige Storykonstrukte zu erschaffen, die den Zuschauer am Ende mit mehr Fragen als Antworten aus dem Kinosaal zu entlassen.

Eigentlich hatte ich mich mit diesem Thema erst im späteren Verlauf des Jahres beschäftigen wollen, aber nachdem es in letzter Zeit wieder etwas mehr Bewegung im Bereich der virtuellen Realität gab, habe ich – wie schon in den beiden Let’s Think davor – meine Pläne umgeworfen, um den aktuellen Anlass auszuschlachten.

Und so komme ich zu einer kleinen, unscheinbaren und doch gewichten Frage: Wie nah sind wir diesen Ideen der Literatur und Filmbranche bereits?
Die Antwort könnte überraschen: Womöglich näher, als wir glauben.

Ich finde dieses Thema ungeheuerlich spannend, denn als Spieler ist es ein Traum diese Entwicklung zu erleben. Ich bin mir sogar zu 100% sicher, dass ich sie zu Lebzeiten – Gott, lass mich bitte nicht gleich morgen von einem Bus überrollt werden, ja? – auch noch mitbekommen werde. Es stellt spieltechnisch in etwa den Sprung von der 2D-Grafik des SNES zur 3D-Grafik des N64 und der PlayStation dar. Erstmalig nicht nur Zuschauer sein, sondern wahrhaftig die Figur im Spiel!

Gleichzeitig ist da meine rational denkende und sozialkritisch interessierte Seite in mir, die darin die Vorstufe zum Untergang der Menschheit sieht. Gut, das mag nun überspitzt wirken, weshalb ich dazu später noch einmal komme.

Betrachten wir doch erst einmal die aktuellen Entwicklungen und fangen vielleicht erst einmal ganz oben an. Bei unserer Birne. Denn wir glauben nur, was wir sehen.

Am Bekanntesten dürfte wohl die „Oculus Rift“ sein, wo es zuletzt den größten Aufschrei gab. Ein vielversprechendes Kickstarter-Projekt, welches nur 250.000 USD als Finanzierungsbasis haben wollte. Nach nur vier Stunden waren diese erreicht und am Ende der Frist beinahe das 10-fache eingenommen! Gratulation, das nenne ich mal Erfolg auf voller Linie. Nun hat sich Facebook die Firma unter den Nagel gerissen, was an und für sich keine dumme Idee war. Doch hier wären wir wieder beim apokalyptischen Punkt, den wir uns für später aufsparen wollten. Also liebe Reiter, haltet noch die Pferdchen im Zaum.

Konkurrenz bekommt diese nun durch das „Project Morpheus“ von Sony, die eine VR-Brille für ihre Heimkonsole, die PlayStation 4, rausbringen wollen. Ein knallhartes Kaufargument – wenn sie denn auch gut funktioniert, also ohne „Red Lens of Death“ oder so einen Schmarn –, welches die Konsole wohl an die Spitze in der aktuellen Generation bringen könnte.

Was dieses Projekt jedoch zu bieten hat, ist die Frage. Schließlich wurde gerade einmal ein Prototyp auf der CES vorgestellt, geschweige denn existiert eine Software für Spieleentwickler, um die Brille effektiv als Spielmittel einbinden zu können. Womöglich dürfen wir die VR-Brillen aber auch erst bei der PlayStation 5 einsetzen, denn ein Prototyp ist letztendlich eben nur ein Prototyp und weit entfernt davon Marktreif zu sein!

Welch ein immenses Erfahrungspotential eine Virtual-Reality Brille jedoch bietet, zeigt an ganz anderer Stelle bereits heute das „Gender Swap Experiment“.

Hierbei trugen ein jeweils weiblicher und männlicher Proband eine „Oculus Rift“-Brille, an der ebenfalls außen eine Kamera angebracht war. Der Clou war nun, dass man nicht das Bild der eigenen Kamera sah, sondern dass des anderen Geschlechts. Wer wollte nicht schon immer einmal für einen Tag im Körper des anderen Geschlechts stecken? Nun, ein wenig konnte man hier sich dieses Gefühl vorgaukeln lassen.

Es greift aber auf einen Wunsch zurück, den vermutlich gerade in unserer modernen Gesellschaft, viel zu viele Menschen innerlich hegen: Jemand anderes sein zu wollen!
Nicht man selbst zu sein, gefangen im eigenen, langweiligen, trostlosen Leben in einer Welt ohne Spannung und Abenteuer. Lieber ist man ein Barbar und jagt den Fürst der Hölle, rennt als blauer Igel durch verrückte Welten oder lernt in einer schaurigen Stadt das Fürchten, weil man dachte eine Pyramide gesehen zu haben?

Nun, die Brille allein reicht leider noch nicht, um die Illusion zu perfektionieren. Immerhin sitzen wir noch auf unserer bequemen Couch und haben einen blöden Controller in der Hand, der das Gefühl dem wir nachsehnen noch stört.

Wie wäre es also wenn wir aufstehen und uns ein wenig bewegen? Und ich rede hier nicht davon die Wii-Remote rum zu schwingen oder vor der Kinect rum zu fuchteln…

Ich rede tatsächlich davon zu laufen!

Genau hierfür hätte ich auch drei Möglichkeiten im Angebot. Zum einen die „WizDish“, welche ihr Kickstarter-Ziel von 50.000 Pfund nicht erreichte. Hierbei wird scheinbar eine Art Mischform aus Skaten und normalem Laufen erzeugt, dank der speziellen Disk auf der man sich bewegt und extra Schuhen die den Mischeffekt möglich machen. Ein durchaus interessantes Konzept, welches meiner Meinung auch einige Vorzüge gegenüber dem gleich Erwähnten aufweist, jedoch in der Präsentation oftmals so wirkt, als müsste man sich extrem darauf konzentrieren die Balance zu halten. Eine Wirkung die abschreckt, was für mich den Misserfolg des Crowdfundingversuchs begründet, trotz auch des deutlich günstigeren Preises.

Dagegen steht die „Omni“ von der Firma Virtuix. Die Idee dieses sogenannten „omnidirektionalen Laufbandes“ ist nicht neu, jedoch womöglich zum ersten Mal massentauglich! Je nachdem kann man sich zwischen einer etwa 250 USD oder 430 USD Variante entscheiden, wobei das nur bedeutet: Bausatz oder Fertigprodukt. Ach ja und natürlich wären da noch die Lieferkosten im dreistelligen Kostenbereich…
Sowas nennt man dann also massentauglich?

Vom Bewegungsprinzip ist es der „WizDish“ nicht unähnlich. Besonderer Untergrund, besondere Schuhe, dazu ein Rahmen an dem man auch befestigt ist. Jedenfalls ging bei diesem Project die Sammelaktion voll auf. Statt der erhofften 150.000 USD Startkapital, durfte Virtuix sich über 1,1 Millionen USD freuen.

Last but not least, hätten wir da noch den „Virtualizer“ von Cyberith. Braucht ein wenig mehr Platz als die „Omni“, ist tatsächlich aber das Konzept welches mich am Meisten anspricht. Denn man braucht im Gegensatz zu den beiden Kontrahenten keine speziellen Schuhe. Zwar man auch hier in einem Gerüst eingespannt, jedoch habe ich das Gefühl, dass dieses mich persönlich zumindest deutlich weniger stören würde, als das der „Omni“.

Hinzu kommt, dass es durch das mitschwingen des Gurtes/Gerüstes Bewegungsabläufe zulässt, die ich bei der „Omni“ mit gar nicht oder nur kaum vorstellen kann. Zudem ist man Systemungebunden. Während sowohl „WizDish“, als auch „Omni“ die Kinect als Tracking-System brauchen, hat der „Virtualizer“ sein eigenes System, wodurch er mit jeglicher Konsole und dem PC kompatibel wäre. Wie viel dieser feuchte Gamertraum jedoch kosten soll, ist noch nicht bekannt.

Somit blicken wir bereits durch die Augen unserer Figur und laufen als unser Held durch dessen Welt. Natürlich reicht das noch nicht. Denn selbst mit Motion Plus ist die Wii-Remote nicht in der Lage alle gewünschten Bewegungen zu simulieren und die Kinect bringt’s da im Spielesektor soweit ich das richtig mitbekommen habe auch nicht wirklich. Wie wäre es also mit einem Anzug, der euren Körper zum Controller macht? „PrioVR“ heißt das Zauberwort!

Die Leute von YEI Technology versuchten für die „PrioVR“ sich auf Kickstarter ein Startkapital zu schaffen und hofften 225.000 USD würden zusammen kommen. Leider war es nicht einmal ganz die Hälfte der Summe, die gespendet wurde. Nun im zweiten Anlauf und mit bescheideneren 75.000 USD als Ziel klappte es. Ironischerweise kamen diesmal über 270.000 USD dabei zusammen…

„PrioVR“ ermöglicht nicht nur genauere Armbewegungen, als Wii-Remote mit Motion Plus, sondern auch den Einsatz von Fußbewegungen, wie etwa Tritten – auch wenn diese in den Werbevideos noch ein wenig staksig wirken, man kann ja nicht alles haben… zumindest nicht sofort.

Leider würde sich dieses System mit den gerüstbasierenden Laufsystemen wie „Omni“ oder „Virtualizer“ beißen. Versucht einmal einen High-Kick zu machen, wenn euch da so ein Gürtel behindert. Andererseits wird in einem der Trailer die „Omni“ sogar explizit als Bewegungsmöglichkeit erwähnt.

Sieht so aus, als gäbe es viele potentielle technische Entwicklungen. Wer sich noch ein wenig näher mit der Geschichte der virtuellen Realität auseinander setzen will, dem empfehle ich folgenden Link: VRWiki.
Vielleicht nicht die schönste Wiki-Seite, aber um sich zu informieren ein guter Anfang.

Nun möchte ich jedoch einen Bogen schlagen zu meinem anderen, eingangserwähnten Ich, welches in der Entwicklung auch Probleme sieht. Gerade wenn wir noch einmal auf den Punkt zurückgreifen, dass Facebook die „Oculus Rift“ aufkaufte. Ein genialer Schachzug durchaus, wenn man bedenkt welch Blüten eine Kooperation eines sozialen Netzwerkes mit einer Möglichkeit der Interaktion via virtueller Realität hervorbrächte.

Man denke hier nur an „Second Life“, was vor zehn Jahren Hype und Kontroverse zugleich war. Facebook könnte nun sozusagen ein „Secon Life 2.0“ erschaffen, wo man nicht nur sich durch einen Avatar repräsentieren lässt, sondern sich viel stärker auch als diesen empfinden kann. Wenn man dazu die Bewegungstechnologie hinzuzieht, entstehen nochmals neue Möglichkeiten.

Wozu in den Urlaub fliegen, wenn ich per virtueller Realität auf dem Mond spazieren gehen kann? Tourismus – vielleicht nicht in dieser Form – wird beispielsweise von Cyberith auf der Website sogar als Beispiel weiterer Nutzungsmöglichkeiten angepriesen.

Oder meine Klamotten virtuell einkaufen und anprobieren. Klar ist das ein Konzept was so bereits mit Kinect funktionieren würde, aber es ist in der Abstufung und dem Erlebnis doch noch ein Unterschied. Kinect schien ohnehin bereits ein Schritt in die Zukunft zu sein. Filmszenen wie aus „Minority Report“, wo quasi auf Holobildschirmen per Gestik gesteuert wurde, wirkten beinahe schon wie ein Bericht von Morgen und nicht mehr wie ein Sci-Fi Film.

Die Ideen der Filme für Morgen, sind in den Ansätzen bereits heute angekommen. Was aber auch bedeutet, dass man sich mit den kritischen Aspekten die die Filme behandeln, langsam auseinander setzen sollte. Philosophische Konfliktpunkte, wie etwa der Verlust des eigenen Selbst in dem ganzen virtuellen Netz oder auch der Rückgang sozialen Miteinanders werden somit zu immer wichtigeren Themen. Auch hier zeigen sich bereits die Ansätze schon heute und nicht erst morgen, wenn die neue Technologie da ist.

Ist dies also unsere moderne Büchse der Pandora?

Verbesserte Entwicklungen dieser Technologien, werden nur die Förderung des Problems in Form von geringeren Preisen und somit Massentauglichkeit mit sich bringen. Die Existenz des Problems ist wie gesagt aber schon jetzt vorhanden. Wir suchten nach Abenteuern und einer Verwirklichung in einer anderen – besseren? – Welt.

Sofort fallen mir wieder Filme ein, die in dieser oder ähnlichen Form die Probleme aufgreifen. „Surrogates“ etwa oder ein Film – dessen Titel ich bis heute nicht herausfinden konnte –, wo es die ganze Zeit nur um eine Person ging, in ihrem Zimmer, sich nicht hinaus traute und chattete. Sein Leben im Internet verbrachte und sich nur darüber definierte.

Was aber ist danach der nächste Schritt, aus diesen Technologien? Holodecks? Oder kommen wir bis dahin erst gar nicht, weil wir ausgestorben sind, da virtueller Sex eben nicht für Nachwuchs sorgt?
Ich muss ehrlich gestehen: Ich wüsste nicht, ob ich der Versuchung des Virtuellen widerstehen könnte. Ich freu mich ja jetzt schon drauf, diese neuen Technologien zum Zocken zu nutzen…
Wie viel brauch es dann noch für den endgültigen Schritt dort zu bleiben?

Habt noch einen echten, so wie schönen Tag und cheerio!
Euer King Sirus

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