Hidiho meine Lieben,
ich bin euer King Sirus und
ein wenig später als normalerweise geht es heute um den neusten Teil der „Ace
Attorney“-Reihe: „Phoenix Wright: Ace Attorney – Dual Destinies“!
Nach stolzen fünf Jahren geht
die Hauptstory endlich weiter und wird nicht nur um einen weiteren Teil
erweitert, sondern auch um eine weitere Hauptfigur. Anders aber als bei Apollo
Justice ist diese nicht namensgebend für das Spiel, obwohl sie eine sehr
wichtige Rolle darin spielt.
Tja, Gleichberechtigung
scheint noch nicht überall angekommen zu sein, jedenfalls wird die arme Athena
Cykes ganz offensichtlich hier diskriminiert! Sexismus! Ja ne… is klar…
Lassen wir den Unfug lieber
und gehen stattdessen über uns einen groben Überblick über die Handlung zu
verschaffen. So beginnt das Spiel im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Knall.
Denn in einem Gerichtssaal ist während einer Verhandlung eine Bombe explodiert.
Bei dieser Explosion hat leider auch der gute Apollo ein wenig etwas
abbekommen, aber männlicher als kanadische Holzfäller im ewigen Eis lächelt er
nur müde darüber und steht der guten Athena zu Seite, die vor Gericht ihre alte
Kindheitsfreundin Juniper Woods beschützen muss.
Diese wurde nämlich als
Bombenattentäter identifiziert. Zumindest wenn es nach unserem
Lieblingskanonenfutterstaatsanwalt Winston Pay… ähm… ne halt… diesmal treten
wir gegen seinen kleineren Bruder Gaspen Payne an (der wie ein Klone Winstons
aussieht, wenn man die Frisur außen vor lässt…). Leider ist dieser genauso stur
und unfähig wie Brüderchen Winston, doof nur dass er scheinbar aber eher zu
schmutzigen Tricks greift…
Noch anstrengender wird es,
als wir gleichzeitig noch einen Mord aufklären müssen, der scheinbar während
des Bombenanschlags geschah…
Für einen Fall, der eigentlich
als Spieleinstieg fungiert, wirkt dieser jedoch überraschend lang und komplex.
Irgendwie hatte ich die „Startfälle“ doch ein wenig kürzer und knackiger in
Erinnerung…
Unser nächster Fall dagegen
führt uns chronologisch gesehen in die Vergangenheit. Nämlich zu dem Zeitpunkt
wo Athena zum Anwaltsbüro dazu stieß und den guten Apollo dabei unterstützte
einen mehr als kuriosen Fall zu bearbeiten. Dämonen, eine Stadt mit seltsamen
Regeln, eine „Übernahme“ durch die Nachbarstadt und ein Wrestler als
Befreiungskämpfer?! Wie das alles zusammen passen soll?
Tja, in der „Ace Attorney“-Serie
ist bekanntlich alles möglich und auch so dieser Mix, egal wie seltsam er doch
erscheinen mag. Wir versuchen also den Bürgermeister Damian Tenma zu
verteidigen, der beschuldigt wird den Stadtrat Rex Kyubi der Nachbarstadt
ermordet zu haben, da dieser ihm im Weg stand besagte Nachbarstadt zu
übernehmen und so aus beiden eine große Stadt zu machen.
Dabei treffen wir nicht nur
unseren neuen Detective des Vertrauens Bobby Fulbright, dem scheinbar nichts
wichtiger ist als Gerechtigkeit, sondern auch unseren neuen Rivalen vor
Gericht. Den wegen Mordes verurteilten und auf die Todesstrafe wartenden
Staatsanwalt Simon Blackquill…
Als der Angeklagte dann auch
noch beginnt den von einem Dämon Besessenen zu spielen wird das Chaos
eigentlich perfekt. Auf unserer Suche nach der Wahrheit zeigt sich jedoch bei
diesem Fall bereits etwas, was uns das ganze Spiel über begleiten wird: Die
Dinge sind oftmals nicht so einfach, wie man auf den ersten Blick meinen mag!
Eine Wahrheit die sich in unserem dritten Fall sogar noch
stärker herauskristallisieren soll. Dieser findet auf einer Rechtsschule statt,
wo zukünftige Staatsanwälte, Verteidiger und Richter ausgebildet werden. Eine
Schule die aber durch zwei juristische Sichtweisen gespalten scheint.
Der Zweck heiligt die Mittel oder zählt einzig und allein
die Wahrheit? Beide Sichtweisen werden auch von zwei Lehrkörpern vertreten…
oder wurden…
Denn unser Opfer Prof. Constance Courte wird leider in
Zukunft nicht mehr predigen können, dass das wichtigste vor Gericht die Suche nach
der Wahrheit sein wird. Denn während in der Schule im Zuge eines Schulfestes eine
fiktive Verhandlung abgespielt wird – deren Gewinnerseite eine spezielle Gastrednerstunde
von Phoenix für die Verteidiger oder unserem alten Freund Klavier Gavin für die
Staatsanwälte bekommen soll –, wird besagte Professorin leider ermordet
aufgefunden.
Und irgendwie schafft es Athenas Freundin Juniper – auch
wenn dieser Fall eigentlich vor dem ersten spielt, also hätte diese Aussage
eigentlich weiter oben kommen müssen, dort wäre sie aber verwirrend gewesen…
genauso verwirrend wie das hier… ARGH! – wieder einmal zur Hauptverdächtigen zu
werden. Aber wie immer nehmen wir uns der schwierigsten Fälle an und sind
zuversichtlich sie aus der Sache herauszuhauen. Denn die wichtigste Aufgabe
eines Anwalts ist es an die Unschuld seiner Mandanten zu glauben!
Ein Glaube der bei Apollo leider auf eine harte Probe
gestellt wird im Zuge der nächsten beiden Fälle, die eher einer
Fortsetzungsgeschichte gleich kommen und damit eine gewisse Ähnlichkeit
aufweisen zu den beiden letzten Fällen aus „Phoenix Wright: Ace Attorney –
Trials and Tribulations“.
Zuerst sind wir damit beauftragt den berühmten Astronauten Solomon
Starbuck zu verteidigen. Dieser wird beschuldigt während eines Bombenanschlags
auf das Space Center, wo er unter anderem Astronaut ist, seinen Protegé und Apollos
besten Freund Clay Terran getötet zu haben.
Unsere Ermittlungen vor Gericht werden aber von einer
Explosion gestört. Einer Explosion? Ganz genau und wenn euch das bekannt vorkommt,
einfach nochmal hochscrollen! Tatsächlich ist dies die Verhandlung die
buchstäblich gesprengt wurde, woraus dann der erste Fall des Spiels
resultierte, so dass wir in der Chronologie wieder korrekt angelangt sind. Da
Apollo verletzt ist, übernimmt sein Boss Phoenix wieder die Ermittlungen auf
und kann eine Verbindung zu einer sieben Jahren alten Geschichte entdecken.
So finden wir uns schon bald in unserem fünften Fall
wieder. Athena die des Mordes an Apollos bestem Freund beschuldigt wird und
kurz darauf sogar des Mordes an ihrer Mutter! Der Mord für den eigentlich
Blackquill hinter Gittern sitzt…
Wie bereits zuvor angedeutet müssen wir also feststellen,
dass die Dinge viel komplizierter sind, als man anfangs meinen mag. So steckt
hinter einem Bombenanschlag und einem damit einhergehenden Mord mehr als man
denkt. Ein düsteres Geheimnis in der Vergangenheit holt uns während den
Ermittlungen ein. Und ist etwas an dem Phantom dran, hinter dem Blackquill
scheinbar seit vielen Jahren nachjagt?
Die Story des Spiels ist so unglaublich dicht und grandios,
dass ich kaum Worte dafür habe. Jeder Fall scheint ein Puzzlestück zu sein, auf
unserem Weg zum Finale hin und irgendwie stehen sie alle auch mehr oder weniger
in Verbindung. Man könnte keinen aus dem Spiel nehmen, ohne Löcher in die dicht
verwobene Story zu reißen. Ein Umstand der meiner Meinung nach noch nie so
stark in einem „Ace Attorney“-Titel vorkam.
So gibt es neben der Handlung rum um Athena und Blackquill
noch den wichtigen Aspekt der „dunklen Zeit der Gesetze“, die aktuell in der
Welt von „Ace Attorney“ herrscht. Schon in früheren Titel gab es Anspielungen
auf das Fehlverhalten von Anwälten – Franziska, die Leute dazu brachte nicht
vollständig auszusagen, um die Situation zu ihren Gunsten zu drehen oder ihr
Vater der gefälschte Beweise einsetzte –, doch nun scheint sich das Ganze zu
einem gigantischen Problem entwickelt zu haben.
Beginnen tut dabei die Story sogar im Vorgängerspiel, denn
nicht nur das Urteil wegen Mordes gegen Blackquill ist Schuld an dieser „dunklen
Zeit des Gesetzes“, sondern auch die Geschichte rund um Phoenix aus „Apollo
Justice: Ace Attorney“! Somit wird eine geniale Brücke mal wieder über alle
Teile der Serie hinweg geschlagen.
Doch um zum neusten Teil nochmals zurück zu kommen: Nach
dem fünften Fall, muss das Spiel nicht einmal enden!
Hat man die Haupthandlung durchgespielt erwartet einen
sogar noch ein DLC-Bonusfall zum Download. Leider habe ich es nicht geschafft
diesen durchzuspielen, bevor ich diesen Beitrag verfasst habe. Tut mir Leid,
aber da kam ich im Zeitplan einfach nicht hinterher.
So viel erst einmal zur Handlung des Spiels, natürlich gibt
es noch viel mehr, was „Phoenix Wright: Ace Attorney – Dual Destinies“
ausmacht! Beispielsweise die neuen Spielmechaniken, wie etwa die Möglichkeit zu
jederzeit im Fall zu speichern, so dass man beruhigt auch mal mitten drin den
Handheld ausmachen kann, ohne gleich wieder alles von vorne zu beginnen. Korrigiert
mich bitte, wenn ich mich erinnere, aber ich erinnere mich zumindest nicht an
solch eine Funktion in den Vorgängern.
Daneben wäre aber auch natürlich die neue Spezialfähigkeit unserer
neuen Protagonistin zu erwähnen. Denn neben dem Magatama von Phoenix und dem
Bracelet von Apollo, kommt nun auch die Mood Matrix zum Einsatz!
Diese resultiert daraus, dass Athena ein so gutes Gehör hat
das sie Gefühlsunstimmigkeiten in den Aussagen der Zeugen heraushören kann und
mit Hilfe des kleinen Minicomputers Widget analysiert. Ein weiteres Konzept auf
unserer Suche nach der Wahrheit, welches uns hilft in aussichtlosen Momenten
neue Erkenntnisse zu erlangen. Die Umsetzung ist dabei ebenfalls toll gemacht
und gut gelungen.
Auch das Revisualization taucht als neuer Spielaspekt auf
und erinnert dabei ein wenig an die Logik von Miles Edgeworth aus seinem Spin-Off,
macht dennoch einiges her. Und auch die Notizen haben ihren praktischen Wert,
wenn man mal länger nicht spielen kann, kommt man dank ihnen wieder schnell
rein und weiß wo man weiter in der Story ansetzen kann.
Schade ist viel mehr, dass die Funktionen des 3DS wieder
einmal völlig außer Acht gelassen wurden. So hätte man das eingebaute Gyroskop
zur Zimmererforschung wunderbar einsetzen können, statt die Ansicht mit den
Pfeilen zu wechseln. Oder eben wieder Dinge wie Luminolspray und
Fingerabdruckpulver aus der Mottenkiste holen können. Vor allem da in einem
Fall sogar Fingerabdrücke genommen werden, nur dürfen wir das eben nicht in
Form eines „Minispiels“ machen… schade, schade…!
Was mich ebenfalls ziemlich angekotzt hat, ist die Tatsache
dass das komplette Spiel mal wieder nur in englischer Form vorhanden ist.
Sowohl die Sprachausgabe der Zwischensequenzen – wo man sich nicht nur die Mühe
machte Untertitel einzubauen –, als auch die Texte im Allgemeinen.
Auf diese Weise verbaut man sich letztendlich nicht nur
Fans, sondern auch ganze Käuferschichten. Denn das Spiel hat in der Regel eine
Freigabe ab 12 Jahren, doch diese „Kunden“ kämen mit dem oftmals doch auch
komplexeren Englisch überhaupt nicht zu Recht und hätten somit Schwierigkeiten
die Story zu verstehen. Und sobald sie englisch auf dem Niveau könnten, werden
sie es wohl nicht mehr spielen wollen.
Da frage ich mich auch immer, wieso ein großes Land wie
unseres, mit einer durchaus vorhandenen Gewichtung auf dem Spielemarkt, von den
Entwicklern quasi diskriminiert wird?! Asien und Amerika sind soviel wichtiger
als wir? Warum sollten wir dann solche Firmen bitte noch unterstützen?
Ich meine selbst Indieentwickler mit deutlich weniger Geld
bieten deutsche Übersetzungen ihrer Spiele an. Also mal ganz ehrlich: Geld kann
hier also wirklich keine Ausrede sein!
Aber genau das wird gemacht. Immer wieder seien die
Finanzen ausschlaggebend für die Entscheidungen, so auch für die alleinige
eShop-Veröffentlichung als Download (gut, hier wird auch immer wieder die
verkürzte Wartezeit für westliche Spieler aufgeführt), für die reine
Englischübersetzung oder für das erst gar nicht erscheinen auf dem
ausländischen Markt – man siehe hier die Fortsetzung des „Miles Edgeworth“-Spiels…
Sieht man sich aber einmal die Verkaufszahlen an, so sieht
das Bild für „Ace Attorney“ gar nicht so schlecht aus. Denn damals als die
Reihe auf dem GBA nur in Japan erschien, war das Maximum 160.000 verkaufte
Einheiten des dritten Spiels. Während des Remaking auf dem DS, war das
schlechteste Ergebnis 420.000 verkaufte Einheiten von „Phoenix Wright: Ace
Attorney – Justice for all“.
Nun gut, ich kenne mich mit Kosten und Gewinnen der Spiele
nicht aus und vielleicht sind durch den technischen Mehraufwand die Kosten so
hoch, dass die verkauften Spiele tatsächlich nicht ausreichen für eine positive
Bilanz. Aber als Laie sieht das Bild eben ein wenig anders aus.
Die Figuren selbst sind dafür aber schön kreativ und
amüsant. Ich meine Godot war als Staatsanwalt schon extrem, aber dass dieser
durch Blackquill noch getoppt werden könnte, war doch schon… heftig. Wobei die
Optik dessen nicht so ansprechend war für mich. Einige der Konzeptzeichnungen
fand ich dann doch ansprechender, aber charakterlich war er einfach herrlich!
Was mich bisher noch immer stört ist die extreme
Einfältigkeit von Phoenix und seinem Team. Oftmals hat man Gedanken und
Einwände, die man am liebsten sofort einbringen möchte, aber als Figur erst
mühsam ertasten muss…
Sowas kann auch schnell frustrierend werden und ins
Negative kippen.
Ich meine, man sollte doch erwarten dass die Charaktere mit der Zeit reifen. Vor
allem Phoenix Wright wirkte im „Apollo Justice: Ace Attorney“ eigentlich
durchaus eher wie ein Mentor und erfahrener Anwalt. Leider verfällt auch er in
sein altes albernes Schema zurück. Auch Apollo sieht in seinem verletzten „Look“
ernster und reifer, wirkt letztendlich aber nicht so. Hätte man die Comedy dann
doch lieber dem neuen, lebensfrohen Charakter überlassen.
Egal wie witzig die typischen Gesichtsentgleisungen nun
eigentlich sind, erscheint auch dies als ungenutzte Chance der
Weiterentwicklung. Immerhin sind die witzigen Gesichtsposen animiert
tatsächlich noch viel lustiger anzuschauen. Hier merkt man den technischen
Fortschritt sehr stark und kann sich darüber sehr erfreuen.
Der 3D-Effekt des Nintendo 3DS ist einfach nur wunderschön
und man möchte ihn eigentlich gar nicht ausmachen. Die Figuren wirken noch
lebhafter, die Verhaltensweisen der Figuren werden durch die Animationen
realistischer und ansprechender. Man entdeckt einfach viele kleine optische
Juwelen.
Dazu kommt noch der schöne, klare Sound, der selbst die
altbekannten Tracks wieder in aufgepäppelter Form präsentiert. Ich frage mich
wirklich, wie sie es schafften, dass die Musik noch besser ist als früher
schon. Die Stimmung wird einfach so noch zusätzlich unterstrichen und
atmosphärischer.
Ich denke da an den heroischen Track von Yuri Cosmos, die
bedrohlich dämonische Musik von Damian Tenma oder die fröhlich unbeschwerte
Theme zu Athena Cykes. Auch die Musik der Orte sind passend. Um auch hier ein
Beispiel zu nennen: die gehoben französische Adelsmelodie der Themis Legal
Academy! Wunderbar!
Wie ihr seht erwarten euch komplexe Handlung, tolle
Charaktere und wieder einmal ein multiples Ende – welches leider nur durch
spielerischen Können bestimmt wird und nicht wie beim letzten Mal noch durch
eine moralische Zwickmühle.
Ich kann das Spiel einfach nur empfehlen und freue mich
bereits Ende des Monats tatsächlich „Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace
Attorney“ in meinen Händen halten zu dürfen. Ein Stück geht also die Saga auch
für uns weiter. Und meine Hoffnung für die „Miles Edgeworth“-Fortsetzung ist
ebenfalls noch nicht gestorben.
Tja… mein neuster, längster Text. Unglaublich wieviel hier
zusammen kam. Und den Text zu „Apollo Justice: Ace Attorney“ will ich auch
nochmals überarbeiten, um eine Fallzusammenfassung nochmals nachzutragen, wo
ich es doch auch bei allen anderen Titeln der Reihe gemacht habe.
Bevor ihr mir also ganz einschläft: Habt lieber einen
– OBJECTION! Klappe, oder ich leih mir Blackquills Falken…! – wunderschönen Tag
und cheerio!
Euer King Sirus
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