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Sonntag, 2. März 2014

Objection! Soll das ein Comeback werden für Held und Spiel?

Hidiho meine Lieben,

ich bin euer King Sirus und ein wenig später als normalerweise geht es heute um den neusten Teil der „Ace Attorney“-Reihe: „Phoenix Wright: Ace Attorney – Dual Destinies“!

Nach stolzen fünf Jahren geht die Hauptstory endlich weiter und wird nicht nur um einen weiteren Teil erweitert, sondern auch um eine weitere Hauptfigur. Anders aber als bei Apollo Justice ist diese nicht namensgebend für das Spiel, obwohl sie eine sehr wichtige Rolle darin spielt.

Tja, Gleichberechtigung scheint noch nicht überall angekommen zu sein, jedenfalls wird die arme Athena Cykes ganz offensichtlich hier diskriminiert! Sexismus! Ja ne… is klar…

Lassen wir den Unfug lieber und gehen stattdessen über uns einen groben Überblick über die Handlung zu verschaffen. So beginnt das Spiel im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Knall. Denn in einem Gerichtssaal ist während einer Verhandlung eine Bombe explodiert. Bei dieser Explosion hat leider auch der gute Apollo ein wenig etwas abbekommen, aber männlicher als kanadische Holzfäller im ewigen Eis lächelt er nur müde darüber und steht der guten Athena zu Seite, die vor Gericht ihre alte Kindheitsfreundin Juniper Woods beschützen muss.

Diese wurde nämlich als Bombenattentäter identifiziert. Zumindest wenn es nach unserem Lieblingskanonenfutterstaatsanwalt Winston Pay… ähm… ne halt… diesmal treten wir gegen seinen kleineren Bruder Gaspen Payne an (der wie ein Klone Winstons aussieht, wenn man die Frisur außen vor lässt…). Leider ist dieser genauso stur und unfähig wie Brüderchen Winston, doof nur dass er scheinbar aber eher zu schmutzigen Tricks greift…

Noch anstrengender wird es, als wir gleichzeitig noch einen Mord aufklären müssen, der scheinbar während des Bombenanschlags geschah…
Für einen Fall, der eigentlich als Spieleinstieg fungiert, wirkt dieser jedoch überraschend lang und komplex. Irgendwie hatte ich die „Startfälle“ doch ein wenig kürzer und knackiger in Erinnerung…

Unser nächster Fall dagegen führt uns chronologisch gesehen in die Vergangenheit. Nämlich zu dem Zeitpunkt wo Athena zum Anwaltsbüro dazu stieß und den guten Apollo dabei unterstützte einen mehr als kuriosen Fall zu bearbeiten. Dämonen, eine Stadt mit seltsamen Regeln, eine „Übernahme“ durch die Nachbarstadt und ein Wrestler als Befreiungskämpfer?! Wie das alles zusammen passen soll?

Tja, in der „Ace Attorney“-Serie ist bekanntlich alles möglich und auch so dieser Mix, egal wie seltsam er doch erscheinen mag. Wir versuchen also den Bürgermeister Damian Tenma zu verteidigen, der beschuldigt wird den Stadtrat Rex Kyubi der Nachbarstadt ermordet zu haben, da dieser ihm im Weg stand besagte Nachbarstadt zu übernehmen und so aus beiden eine große Stadt zu machen.

Dabei treffen wir nicht nur unseren neuen Detective des Vertrauens Bobby Fulbright, dem scheinbar nichts wichtiger ist als Gerechtigkeit, sondern auch unseren neuen Rivalen vor Gericht. Den wegen Mordes verurteilten und auf die Todesstrafe wartenden Staatsanwalt Simon Blackquill…

Als der Angeklagte dann auch noch beginnt den von einem Dämon Besessenen zu spielen wird das Chaos eigentlich perfekt. Auf unserer Suche nach der Wahrheit zeigt sich jedoch bei diesem Fall bereits etwas, was uns das ganze Spiel über begleiten wird: Die Dinge sind oftmals nicht so einfach, wie man auf den ersten Blick meinen mag!

Eine Wahrheit die sich in unserem dritten Fall sogar noch stärker herauskristallisieren soll. Dieser findet auf einer Rechtsschule statt, wo zukünftige Staatsanwälte, Verteidiger und Richter ausgebildet werden. Eine Schule die aber durch zwei juristische Sichtweisen gespalten scheint.

Der Zweck heiligt die Mittel oder zählt einzig und allein die Wahrheit? Beide Sichtweisen werden auch von zwei Lehrkörpern vertreten… oder wurden…

Denn unser Opfer Prof. Constance Courte wird leider in Zukunft nicht mehr predigen können, dass das wichtigste vor Gericht die Suche nach der Wahrheit sein wird. Denn während in der Schule im Zuge eines Schulfestes eine fiktive Verhandlung abgespielt wird – deren Gewinnerseite eine spezielle Gastrednerstunde von Phoenix für die Verteidiger oder unserem alten Freund Klavier Gavin für die Staatsanwälte bekommen soll –, wird besagte Professorin leider ermordet aufgefunden.

Und irgendwie schafft es Athenas Freundin Juniper – auch wenn dieser Fall eigentlich vor dem ersten spielt, also hätte diese Aussage eigentlich weiter oben kommen müssen, dort wäre sie aber verwirrend gewesen… genauso verwirrend wie das hier… ARGH! – wieder einmal zur Hauptverdächtigen zu werden. Aber wie immer nehmen wir uns der schwierigsten Fälle an und sind zuversichtlich sie aus der Sache herauszuhauen. Denn die wichtigste Aufgabe eines Anwalts ist es an die Unschuld seiner Mandanten zu glauben!

Ein Glaube der bei Apollo leider auf eine harte Probe gestellt wird im Zuge der nächsten beiden Fälle, die eher einer Fortsetzungsgeschichte gleich kommen und damit eine gewisse Ähnlichkeit aufweisen zu den beiden letzten Fällen aus „Phoenix Wright: Ace Attorney – Trials and Tribulations“.

Zuerst sind wir damit beauftragt den berühmten Astronauten Solomon Starbuck zu verteidigen. Dieser wird beschuldigt während eines Bombenanschlags auf das Space Center, wo er unter anderem Astronaut ist, seinen Protegé und Apollos besten Freund Clay Terran getötet zu haben.

Unsere Ermittlungen vor Gericht werden aber von einer Explosion gestört. Einer Explosion? Ganz genau und wenn euch das bekannt vorkommt, einfach nochmal hochscrollen! Tatsächlich ist dies die Verhandlung die buchstäblich gesprengt wurde, woraus dann der erste Fall des Spiels resultierte, so dass wir in der Chronologie wieder korrekt angelangt sind. Da Apollo verletzt ist, übernimmt sein Boss Phoenix wieder die Ermittlungen auf und kann eine Verbindung zu einer sieben Jahren alten Geschichte entdecken.

So finden wir uns schon bald in unserem fünften Fall wieder. Athena die des Mordes an Apollos bestem Freund beschuldigt wird und kurz darauf sogar des Mordes an ihrer Mutter! Der Mord für den eigentlich Blackquill hinter Gittern sitzt…

Wie bereits zuvor angedeutet müssen wir also feststellen, dass die Dinge viel komplizierter sind, als man anfangs meinen mag. So steckt hinter einem Bombenanschlag und einem damit einhergehenden Mord mehr als man denkt. Ein düsteres Geheimnis in der Vergangenheit holt uns während den Ermittlungen ein. Und ist etwas an dem Phantom dran, hinter dem Blackquill scheinbar seit vielen Jahren nachjagt?

Die Story des Spiels ist so unglaublich dicht und grandios, dass ich kaum Worte dafür habe. Jeder Fall scheint ein Puzzlestück zu sein, auf unserem Weg zum Finale hin und irgendwie stehen sie alle auch mehr oder weniger in Verbindung. Man könnte keinen aus dem Spiel nehmen, ohne Löcher in die dicht verwobene Story zu reißen. Ein Umstand der meiner Meinung nach noch nie so stark in einem „Ace Attorney“-Titel vorkam.

So gibt es neben der Handlung rum um Athena und Blackquill noch den wichtigen Aspekt der „dunklen Zeit der Gesetze“, die aktuell in der Welt von „Ace Attorney“ herrscht. Schon in früheren Titel gab es Anspielungen auf das Fehlverhalten von Anwälten – Franziska, die Leute dazu brachte nicht vollständig auszusagen, um die Situation zu ihren Gunsten zu drehen oder ihr Vater der gefälschte Beweise einsetzte –, doch nun scheint sich das Ganze zu einem gigantischen Problem entwickelt zu haben.

Beginnen tut dabei die Story sogar im Vorgängerspiel, denn nicht nur das Urteil wegen Mordes gegen Blackquill ist Schuld an dieser „dunklen Zeit des Gesetzes“, sondern auch die Geschichte rund um Phoenix aus „Apollo Justice: Ace Attorney“! Somit wird eine geniale Brücke mal wieder über alle Teile der Serie hinweg geschlagen.

Doch um zum neusten Teil nochmals zurück zu kommen: Nach dem fünften Fall, muss das Spiel nicht einmal enden!
Hat man die Haupthandlung durchgespielt erwartet einen sogar noch ein DLC-Bonusfall zum Download. Leider habe ich es nicht geschafft diesen durchzuspielen, bevor ich diesen Beitrag verfasst habe. Tut mir Leid, aber da kam ich im Zeitplan einfach nicht hinterher.

So viel erst einmal zur Handlung des Spiels, natürlich gibt es noch viel mehr, was „Phoenix Wright: Ace Attorney – Dual Destinies“ ausmacht! Beispielsweise die neuen Spielmechaniken, wie etwa die Möglichkeit zu jederzeit im Fall zu speichern, so dass man beruhigt auch mal mitten drin den Handheld ausmachen kann, ohne gleich wieder alles von vorne zu beginnen. Korrigiert mich bitte, wenn ich mich erinnere, aber ich erinnere mich zumindest nicht an solch eine Funktion in den Vorgängern.

Daneben wäre aber auch natürlich die neue Spezialfähigkeit unserer neuen Protagonistin zu erwähnen. Denn neben dem Magatama von Phoenix und dem Bracelet von Apollo, kommt nun auch die Mood Matrix zum Einsatz!

Diese resultiert daraus, dass Athena ein so gutes Gehör hat das sie Gefühlsunstimmigkeiten in den Aussagen der Zeugen heraushören kann und mit Hilfe des kleinen Minicomputers Widget analysiert. Ein weiteres Konzept auf unserer Suche nach der Wahrheit, welches uns hilft in aussichtlosen Momenten neue Erkenntnisse zu erlangen. Die Umsetzung ist dabei ebenfalls toll gemacht und gut gelungen.

Auch das Revisualization taucht als neuer Spielaspekt auf und erinnert dabei ein wenig an die Logik von Miles Edgeworth aus seinem Spin-Off, macht dennoch einiges her. Und auch die Notizen haben ihren praktischen Wert, wenn man mal länger nicht spielen kann, kommt man dank ihnen wieder schnell rein und weiß wo man weiter in der Story ansetzen kann.

Schade ist viel mehr, dass die Funktionen des 3DS wieder einmal völlig außer Acht gelassen wurden. So hätte man das eingebaute Gyroskop zur Zimmererforschung wunderbar einsetzen können, statt die Ansicht mit den Pfeilen zu wechseln. Oder eben wieder Dinge wie Luminolspray und Fingerabdruckpulver aus der Mottenkiste holen können. Vor allem da in einem Fall sogar Fingerabdrücke genommen werden, nur dürfen wir das eben nicht in Form eines „Minispiels“ machen… schade, schade…!

Was mich ebenfalls ziemlich angekotzt hat, ist die Tatsache dass das komplette Spiel mal wieder nur in englischer Form vorhanden ist. Sowohl die Sprachausgabe der Zwischensequenzen – wo man sich nicht nur die Mühe machte Untertitel einzubauen –, als auch die Texte im Allgemeinen.

Auf diese Weise verbaut man sich letztendlich nicht nur Fans, sondern auch ganze Käuferschichten. Denn das Spiel hat in der Regel eine Freigabe ab 12 Jahren, doch diese „Kunden“ kämen mit dem oftmals doch auch komplexeren Englisch überhaupt nicht zu Recht und hätten somit Schwierigkeiten die Story zu verstehen. Und sobald sie englisch auf dem Niveau könnten, werden sie es wohl nicht mehr spielen wollen.

Da frage ich mich auch immer, wieso ein großes Land wie unseres, mit einer durchaus vorhandenen Gewichtung auf dem Spielemarkt, von den Entwicklern quasi diskriminiert wird?! Asien und Amerika sind soviel wichtiger als wir? Warum sollten wir dann solche Firmen bitte noch unterstützen?

Ich meine selbst Indieentwickler mit deutlich weniger Geld bieten deutsche Übersetzungen ihrer Spiele an. Also mal ganz ehrlich: Geld kann hier also wirklich keine Ausrede sein!

Aber genau das wird gemacht. Immer wieder seien die Finanzen ausschlaggebend für die Entscheidungen, so auch für die alleinige eShop-Veröffentlichung als Download (gut, hier wird auch immer wieder die verkürzte Wartezeit für westliche Spieler aufgeführt), für die reine Englischübersetzung oder für das erst gar nicht erscheinen auf dem ausländischen Markt – man siehe hier die Fortsetzung des „Miles Edgeworth“-Spiels…

Sieht man sich aber einmal die Verkaufszahlen an, so sieht das Bild für „Ace Attorney“ gar nicht so schlecht aus. Denn damals als die Reihe auf dem GBA nur in Japan erschien, war das Maximum 160.000 verkaufte Einheiten des dritten Spiels. Während des Remaking auf dem DS, war das schlechteste Ergebnis 420.000 verkaufte Einheiten von „Phoenix Wright: Ace Attorney – Justice for all“.

Nun gut, ich kenne mich mit Kosten und Gewinnen der Spiele nicht aus und vielleicht sind durch den technischen Mehraufwand die Kosten so hoch, dass die verkauften Spiele tatsächlich nicht ausreichen für eine positive Bilanz. Aber als Laie sieht das Bild eben ein wenig anders aus.

Die Figuren selbst sind dafür aber schön kreativ und amüsant. Ich meine Godot war als Staatsanwalt schon extrem, aber dass dieser durch Blackquill noch getoppt werden könnte, war doch schon… heftig. Wobei die Optik dessen nicht so ansprechend war für mich. Einige der Konzeptzeichnungen fand ich dann doch ansprechender, aber charakterlich war er einfach herrlich!

Was mich bisher noch immer stört ist die extreme Einfältigkeit von Phoenix und seinem Team. Oftmals hat man Gedanken und Einwände, die man am liebsten sofort einbringen möchte, aber als Figur erst mühsam ertasten muss…
Sowas kann auch schnell frustrierend werden und ins Negative kippen.

Ich meine, man sollte doch erwarten  dass die Charaktere mit der Zeit reifen. Vor allem Phoenix Wright wirkte im „Apollo Justice: Ace Attorney“ eigentlich durchaus eher wie ein Mentor und erfahrener Anwalt. Leider verfällt auch er in sein altes albernes Schema zurück. Auch Apollo sieht in seinem verletzten „Look“ ernster und reifer, wirkt letztendlich aber nicht so. Hätte man die Comedy dann doch lieber dem neuen, lebensfrohen Charakter überlassen.

Egal wie witzig die typischen Gesichtsentgleisungen nun eigentlich sind, erscheint auch dies als ungenutzte Chance der Weiterentwicklung. Immerhin sind die witzigen Gesichtsposen animiert tatsächlich noch viel lustiger anzuschauen. Hier merkt man den technischen Fortschritt sehr stark und kann sich darüber sehr erfreuen.

Der 3D-Effekt des Nintendo 3DS ist einfach nur wunderschön und man möchte ihn eigentlich gar nicht ausmachen. Die Figuren wirken noch lebhafter, die Verhaltensweisen der Figuren werden durch die Animationen realistischer und ansprechender. Man entdeckt einfach viele kleine optische Juwelen.

Dazu kommt noch der schöne, klare Sound, der selbst die altbekannten Tracks wieder in aufgepäppelter Form präsentiert. Ich frage mich wirklich, wie sie es schafften, dass die Musik noch besser ist als früher schon. Die Stimmung wird einfach so noch zusätzlich unterstrichen und atmosphärischer.

Ich denke da an den heroischen Track von Yuri Cosmos, die bedrohlich dämonische Musik von Damian Tenma oder die fröhlich unbeschwerte Theme zu Athena Cykes. Auch die Musik der Orte sind passend. Um auch hier ein Beispiel zu nennen: die gehoben französische Adelsmelodie der Themis Legal Academy! Wunderbar!

Wie ihr seht erwarten euch komplexe Handlung, tolle Charaktere und wieder einmal ein multiples Ende – welches leider nur durch spielerischen Können bestimmt wird und nicht wie beim letzten Mal noch durch eine moralische Zwickmühle.

Ich kann das Spiel einfach nur empfehlen und freue mich bereits Ende des Monats tatsächlich „Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney“ in meinen Händen halten zu dürfen. Ein Stück geht also die Saga auch für uns weiter. Und meine Hoffnung für die „Miles Edgeworth“-Fortsetzung ist ebenfalls noch nicht gestorben.

Tja… mein neuster, längster Text. Unglaublich wieviel hier zusammen kam. Und den Text zu „Apollo Justice: Ace Attorney“ will ich auch nochmals überarbeiten, um eine Fallzusammenfassung nochmals nachzutragen, wo ich es doch auch bei allen anderen Titeln der Reihe gemacht habe.

Bevor ihr mir also ganz einschläft: Habt lieber einen – OBJECTION! Klappe, oder ich leih mir Blackquills Falken…! – wunderschönen Tag und cheerio!
Euer King Sirus

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