Hidiho meine Lieben,
ich bin euer King Sirus und ich habe bisher immer wieder Spiele präsentiert die mich überzeugt und / oder begeistert haben. Das dies aber nicht einfach bei jedem Spiel so ist und ich manchmal auch mächtig enttäuscht bin, zeige ich euch mit dem heutigen Beitrag zu „Sword of the Samurai“.
Dabei fing damals alles so schön an. Ich kaufte das Spiel voller Hoffnung, denn ich mag Japan mitsamt seiner Historie sehr gerne und vor allem die Geschichte der legendären Vorläufer heutiger Spione – die Ninja – und die berühmtberüchtigte Kriegerklasse der damaligen Zeit – die Samurai.
Ich entdeckte das Spiel für gerade einmal 10,- € in einer dieser Schnäppchenpyramiden. In diesem Moment stand es für mich außer Frage, ob ich es kaufe oder nicht. Zudem ließ ich mich blenden von dem Text auf der Rückseite, der auch noch das Blaue vom Himmel versprach. Was lernen wir daraus? Nie auf den Klappentext hören, der vom Leidverursacher geschrieben wurde und natürlich nur das Blaue vom Himmel verspricht!
Doch warum ist dieses Spiel denn nur so ein Fehlkauf gewesen in meinen Augen?! Dafür muss ich an dutzenden Fronten ansetzen, doch beginnen werde ich einfach mal mit einem der wichtigsten spielerischen Elementen: Dem Charakter.
Mal davon abgesehen, dass die Kreationsauswahl an Charakteren beim ersten Durchspielen absolut mager ist und man gut 90% aller zur Auswahl stehenden „Köpfe“ freispielen muss. Wenn man dann anfängt und sich wie wild durch die ersten Kämpfe drückt, werden einem jeden Ingamespieleabend die angezeigten Entwicklungsinfos des Charakters angezeigt.
Wie diese nun wiederum in Zusammenhang stehen und inwiefern sie bei einem Spiel, welches eigentlich auf das Geschick des Spielers setzt im richtigen Moment den richtigen Schlag auszuführen, überhaupt einen notwendigen Stellenwert haben, ist mir bis heute – nach mehrjährigem Besitz – noch immer schleierhaft. Eines weiß ich jedoch: Die charakterliche Entwicklung, welche Tätigkeit am Tag sich wie auf die Stats niederschlägt und wozu diese überhaupt von Nöten sind ist eines der großen Mysterien der Menschheitsgeschichte neben Roswell und dem Bermuda-Dreieck.
Stoff für eine Verschwörungstheorie?
Was einem auch ganz schnell den Spielspaß killen kann, sind die gefährlichen Missionen und die illegalen Turniere, wo dann mit „richtigen“ Katanas – und nicht mit den langweiligen Bambuszahnstochern – gekämpft wird. Ein falscher Schritt kann schnell das entgültige Aus bringen, durch tödlichen Treffer. Tja, und schon wieder sieht man sich zum vierhundersten Male den Speicher laden, da der Charakter zum dreihundertneunundneunzigsten Male das Zeitliche gesegnet hat.
Das Spiele den Spieler durchaus mit Schwierigkeit und Frust an der Stange halten und ans Spiel binden kann, beweisen viele Indie-Hits. Doch dafür muss man hin und wieder auch Erfolgserklebnisse haben und die hatte ich hier eher kaum, so dass eben nur der Frust ohne Herausforderung bei mir zurück blieb…
Tja und obwohl ich es wirklich hasse mich zu stark auf die Grafik zu konzentrieren, bin ich entsetzt wenn ich folgende Fakten mit einbeziehe:
1) Die PlayStation 2 erschien in ihrem Uralt Fat-Modell in Japan im März 2000.
2) Das Spiel „Sword of the Samurai“ erschien ca. zwei Jahre später, was nach Adam Riese bedeutet im Juni 2002. Witzigerweise kam es in Amerika nicht raus, nur bei uns. Die glücklichen Amis.
3) Das grafisch wirklich schöne und detailverliebte „Final Fantasy X“ kam genau im Zwischenjahr heraus. Also: Juli 2001.
Wieso also liebe Leute von Genki bekommt ihr es nicht hin ein halbwegs vernünftiges Game für die PlayStation 2 abzuliefern? Ich meine die Umgebung klappt doch schon einmal echt gut und hat einen selten schönen Realitätsfaktor erreicht.
Aber wir betreiben ja hier kein Umgebungsbetrachten mit Punktevergabe, sondern gnadenlosen Kampf zwischen Samurai und Samurai. Also müssen die im Vordergrund stehen. Oder lieber nicht? Zumindest nicht wenn man kantige Klamotten, pixeliger Nahumgebung und unschöne Bewegungsabläufe mit wirrer und fliegender Kamerafahrt haben will.
Aus diesem Grund will ich mich nun abschließend lieber den Versprechungen der Spielrückseite widmen und wie leer diese doch sind. Denn dort steht beispielsweise:
„Bewähren Sie sich in zahlreichen Missionen: Verteidigungs- und Rettungsaktionen, Turnierkämpfe und vieles mehr.“
Von wegen vieles mehr. Die dort erwähnten Missionen sind praktisch schon alle die vorkommen. Nur der optische Inhalt wird vielleicht mal verändert. Da muss ich einmal gegen Banditen verteidigen und einmal gegen Ninjas, das aber in derselben Sequenz, auf derselben Brücke in deren Zentrum dieselbe Sänfte steht. Wirklich viel Abwechslung...
„Erschaffen Sie Ihren eigenen Schwertmeister: Bilden Sie Ihn mithilfe historisch-authentischer Samurai-Lehrmeister aus. Kämpfen Sie gegen 30 legendäre Samurai, die mit original Waffen und Kampftechniken antreten.“
Wäre schön, wenn man den Lehrmeistern mal begegnen könnte. Doch bis man nur den Ersten sieht, vergehen mindestens fünfzig bis sechzig Spielstunden langweiligen Trainings. Dies entspricht ungefähr der Ingamezeit von gut und gerne drei Jahrzenten. Da hat man schon lange die Lust verloren, bis man mal soweit kommt.
„Beherrschen Sie Ihr Schwert in jeder Situation: Kampf Mann gegen Mann oder gegen mehrere Gegner gleichzeitig, einzelne, mächtige Schläge oder atemberaubende Schwertkombinationen.“
Dafür müsste man die absolut undurchsichtige Steuerung - die ich zuvor schon anprangerte - verstehen. Was jedoch einem Christiwunder gleich käme und daher in der Neuzeit ein Ding der Unmöglichkeit darstellt. Dazu kommen die seltsamen Kampftechniken mit den genauso unverständlichen Moves. Wie soll man auch wissen wie man sie ausführt? In niederen Spielen wie Mortal Kombat oder Dead or Alive würde man eine Schlagcombo-Anleitung unter dem Pausemenü vorfinden. Aber nicht in diesem Meisterwerk. Da muss man noch richtige Detektivarbeit betreiben, was als zusätzlicher Spielspaß gesehen wird. Herrlich, nicht wahr?
Und versucht erst gar nicht zu verstehen warum eure eigenen Schläge gerade mal 5% des Balkens beim Gegner abziehen, dieser aber mit einem Hieb einem ein Viertel bis Drittel des Balkens zermartert und dank Vibrationsfunktion euren Controller damit praktisch zum Tangotanzen bringt.
Alles in allem haben wir uns hier also zusammengefunden, um ein Spiel zu begraben, welches nie den Aufstieg in den Spieleolymp hatte erleben dürfen und das auch aus gutem Grund. Ich habe mich selten in meinem Leben so sehr über die Verschwendung meiner wertvollen Lebenszeit und Geldes in Form eines Spielekauf aufgeregt, wie bei diesem Zeugnis entwicklerischen Wahnsinnes.
Dabei habe ich es auf der blöden Spielepyramide für einen kleinen Beitrag quasi bereits hinterher geschmissen bekommen, was normalerweise leichter zu verkraften sein sollte, als ein Misskauf von 60,- €.
Aber nein… noch heute habe ich bizarre Alpträume von jenem verhängnisvollen Tag, an dem ich dieses Datenerbrochene gekauft habe. Die Pyramide ist inzwischen für mich ein symbolisches Warnschild mit der Aufschrift: „NEVER BUY THAT!“
Erschreckend wieviel ich zu einem solch miesen Spiel schreiben kann...
Nach dieser Warnung wünsche ich euch aber noch ‘nen schönen Tag und cheerio!
Euer King Sirus
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